die keine Sprache nennt; so fühle ich mich selbst wie aufgelösetin meinem Gott; ich bin von himmlischen Offenbarungen um-geben; eine Thräne des Entzückens füllt meine Augen; ichmöchte beten, und bin allzubewegt und kann es nicht, undmeine Thräne wird Psalm auf Gott.
Wohl sehnt sich mancher schwache Sterbliche nach außer«ordentlichen Dingen, und erwartet Zeichen vom Himmel. Kurz-sichtiger, was deine Hand berührt, ist wunderbar, du kennst esnicht; dein Fuß wandert durch den Staub, aber er schwebtüber Welten, die du nicht ahnest; du siehst die erstaunlichenErscheinungen mit deinen Augen, und sie bleiben dir dunkel.
Hast du eine würdige Vostellung von der Allmacht, vonder Weisheit und Größe deines Schöpfers? — Nun wohl, sowürdest du wissen, daß in diesem Hause der Gottheit, in demunendlichen Palast des Weltalls, nichts zu klein, nichts zugering ist. Was sind doch die Reichthümer und Herrlichkeiteneines Königs, dessen Wohngebäude du mit Verwunderung an«staunst, dessen Marmorsäle, dessen Goldschmuck in den Zimmern,dessen Teppiche und Gemälde dich entzücken! Es ist nur Staub,aus todtem Staube gesammelt, von kunstreichen Händen aneinander geordnet. Unendlich größer, als ein sterblicher König,ist der Herr aller Welten, und unendlich prachtreicher ist daSWeltgebäude, von dem dich die allgegenwärtige Majestät GotteSanftrahlt.
Nichts ist in diesem unermeßlichen Palast zu klein, zu gering;Alles hat seine hohe Bedeutung, Alles steht darin mit einanderin ewiger Verknüpfung. Die Welt hängt sowohl an dem Fadeneiner Spinne, als an der Kraft, welche die Sonnen, die kreisen-den Sterne und die Kometen in ihren Bahnen festhält.
Du trittst einen gering scheinenden Kiesel mit Füßen, deram Ufer des vorbeifließenden Wassers liegt. Einst war er derTheil eines Felsens am Gebirge. Ströme spülten ihn bis hierher.Er verwittert an der Lust und wird Erde. Eine aufwachsendePflanze zieht Theile von ihm an, und Thiere nähren sich vondieser Pflanze. Jener Srein lag also dort nicht vergebens; erhatte seine Bestimmung.