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W. Cheselden's Anatomie des menschlichen Körpers : Mit vierzig Kupfertafeln nach Vandergucht von Riepenhausen
Entstehung
Seite
278
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278 Drittes Rapirel.

kammer fließende Menge, zu der in die rechte zu gleicherZeit entströmenden, wie fünf zu zwey verhalten.

Obgleich nach der Geburt die linke Herzkammer alleindazu dient, das Blut in die Aorta zu stoßen, und die rechtegänzlich dazu angewandt wird, den Umlauf durch die Lungenzu besorgen, so folgt doch daraus, daß vor der Geburt allesBlut aus der linken Herzkammer, und ungefähr die Hälftedes aus der rechten, in die Aorta gestoßen wird, und nur dieeine Hälfte in die Lungen gelangt, daß vor der Geburt, dieganze Kraft der linken Herzkammer, nebst ungefähr der hal-ben Kraft der rechten, dazu verwandt werden, Blut in dieAorta zu treiben, weil dieses durch die ganze Frucht und biszur Mutter verbreitet werden soll. Nach der Geburt aber,wenn das Blut nicht mehr von der Frucht zur Mutter geführtwerden darf, ist die linke Herzkammer stark genug um denUmlauf durch die Frucht zu bewirken, und sogleich erscheintmich ein neuer Weg für die übrig bleibende Kraft, die vorhernoch dazu gebraucht wurde, Blut in die Aorta zu treiben;denn da jetzt die ganze Blutmasse durch die Luitgen umlaufensoll, so verschließt sich der Schlagadergang, und die rechteHerzkammer muß alles Blut was sie erhält, in die Lungentreiben, da nun kein Weg mehr in die Aorta offen steht.Man nimt an, daß die Ausdehnung der Lungen durch Luftbey der Geburt, gleich die Lage des Schlagaderganges so än-dert, daß er verstopft wird, diese Vorstellung gründet sichzwar auf mechanische Grundsätze, ich glaube aber nicht daßes in der Natur so sey, denn ich sehe weder daß die Lage die-ses Gefäßes verändert, noch daß seine Oberstäche zusammengedrückt ist; ich glaube vielmehr, daß unmittelbar nach derGeburt, wo kein Blut mehr aus der Frucht zur Mutter ge-führt wird, und also die linke Herzkammer hinreichend ist,die Aorta mit allen ihren Acsten mit Blut anzufüllen, wieich oben gezeigt habe, nun kein Raum mehr für einiges Blutaus der rechten Herzkammer ist, so daß also das Blut ausder rechten Herzkammer gezwungen wird in die Lungen zu

stießen,