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kannte ihn, und dennoch verstieß er ihn nicht; Jesus nannte ihn,und dennoch zürnte er ihm nicht. Keiner von allen Anwesendenkonnte die Möglichkeit der Ungeheuern That denken, den geliebtenFreund und Vater zu verrathen. „Wer wäre auch unter uns,der das thun würde?" fragten Alle unter einander erschrocken.
Judas, von seinem Gewissen gefoltert und doch zitternd, er-kannt und aus der Mitte seiner bisherigen Freunde verstoßen zuwerden, als der Abschaum des Menschengeschlechts, erhob sich,und ließ Frechheit an die Stelle der entflohenen Unschuld treten.„Bin ich's, Rabbi?" sprach er zum Messias. „Du sagst es!"antwortete ihm dieser: „und was du thust, das thue bald!" —Jesus sagte -diese Worte aber in einem so sanften Freundeston,daß Keiner ihn begriff. Etliche meinten, weil Judas den Beutelhatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns noch ist auf dasFest; oder daß er den Armen etwas gäbe. (Joh. 13,29.) Judasbeschämt, empört, eilte hinaus, seine Verwirrung zu verbergen,und vollbrachte die verruchte That.
Welche Seelengröße bewies hier der Gottmensch! Und werist fähig, sie vollkommen nachzuempfinden und nachzuahmen?—Von Einem derer verrathen, denen er wohlgechan, bekannt mitdem ganzen Umfang des Verbrechens, welches Judas verübenwollte, zürnte er ihm nicht, schonte selbst auf zarte Weise dasGefühl des Sünders vor den Uebrigen, die ihn und seinen schreck-lichen Entwurf noch nicht kannten. Nicht durch Drohungen suchteer den Verdorbenen zu erschüttern — wider solche Leidenschaftfruchtet keine Drohung mehr! Nicht durch Bitten suchte er ihnzu bewegen: die Unschuld, im hohen Gefühl ihrer Reinheit,beugt sich nie vor dem Bösewicht, der darin nur einen Triumphsähe. Nur mit ernster Freundesstimme sprach Jesus zum kaltenHerzen des Vvrräthers; nur durch furchtlose Rühe, nur XrrchEdelmuth konnte er hoffen, den verbrecherischen Jünger zu ent,waffnen. Judas aber, kalt und tückisch, ging in die Nacht hinausund verrieth seinen Heiland.
Gelassen wandte sich der Messias zu denen, die ihm treublieben. Er offenbarte ihnen seinen letzten Wunsch; er Mete einGedächtm'ßmahl seiner Person und seines Todes, der so nche war.