zur Erschöpfung getrieben, im Alter Andächtler und Betsüchtigegeworden sind. Beides geschah aus gleichen Ursachen. DieseMenschen waren zu reizbar, und hatten sich nur der Beschäftigungihrer Gefühle überlassen.
Aber, o Mensch! nicht dein Herz ist unsterblich — es wirdmit dem Leichnam im Grabe modern — sondern dein Geist alleinist es! Nicht deine Gefühle sind unsterblich — sie vergehen mirdem Herzen, aus dem sie hervorquellen — sondern die Macht undStärke deines Geistes allein ist es! — So sollen denn auch dieGefühle des Herzens nicht Herrscher sein über den erwägenden,prüfenden Geist, sondern nur seine Diener und Gehilfen.
Die Religion Jesu ist nicht bloß ein Spielen mit Empfin-düngen, sondern ein Werk des Geistes für ewige Geister. Auchdie Gottheit wohnt nicht i.-r Empfindungen, sondern in derhöchsten Erkenntniß des Wahren, Vollkommenen und Gerechten.Gott ist ein Geist, und die ihn verehren, sollen ihn ver-ehren im Geist und in der Wahrheit. Die Wahrheit aber istdas Geschäft der Vernunft, welche uns Gott gegeben, sie zuerkennen.
Es sind nicht bloße Gefühle, es sind Grundsätze, überdachteWahrheiten, welche der Jünger Jesu von dem göttlichen Meisteraufnehmen und ins Leben übertragen soll. Und wenn ich dengroßen Entschluß fasse, von nun an ein höherer Geist zu werden,Gott ähnlich, nach Vollkommenheit ringend, soll dieß nicht bloßWirkung einer frommen Gemüthsbewegung, sondern der ernsten,ruhigen Ueberlegung sein.
Wer in weltlichen Dingen irgend einen großen und wichtigenPlan entwerfen und ausführen will, prüft vorher kaltblütig dieMittel, welche ihm zum Zwecke helfen können; prüft alle Um-stände, unter denen er handeln muß ; prüft daß Maß seinerKräfte, welche er in Thätigkeit zu setzen hat, und berechnetselbst die möglichen Hindernisse, welche sich gegen seine Absichtenverschwören könnten, und denkt, noch ehe sie da sind, auf diebeste Art, sie zu überwinden.
Willst du in göttlichen Dingen, in Angelegenheiten deinesunsterblichen Geistes unbesonnener und leichtsinniger handeln,