Die heilige Religion Jesu aber gebietet uns keineswegs diese, Lebensart, diese Zurückgezogenheit, dieses unaufhörliche Fromm-lhun, wenn wir Gottes gute Gaben freudig genießen möchten.Dieses beständige Beten und Andächteln, wenn wir dazu nicht vonDer Seele aus gestimmt sind. Nein, Christus will, unser Gebetsoll nichts Erlerntes, nichts Langweiliges, nichts gedankenlosHergeplappertes sein; er befiehlt uns, thätig und nutzbar in daswirkliche Leben einzugreifen; er verdammte Diejenigen nicht,welche vielgeschäftig und rastlos das Beste der Welt befördern;er forderte nicht von den Königen und Großen der Erde, siesollten, statt für die ihnen anvertrauten Völker zu sorgen, sichungezogen halten, alle Pracht hassen, und beten. Nein, Jesus.kannte die Welt, und dennoch sandte er seine Jünger hiqauLAlmer die Völker; er wußte, wie vielen Verfolgungen und LeidenAe ausgesetzt sein würden, aber er wollte nicht, daß sie sich ver-zärteln sollten, sondern sprach ihnen Muth ein, und sagte: Ichsende euch hinaus, gleich wie Lämmer unter die Wölfe. Aber fürchteteuch nicht, und vertrauet der Fürsorge des himmlischen Vaters.
Daher quäle sich Niemand mit Zweifeln an der MöglichkeitLeines Vollkommenwerdens, wenn er das nicht Alles vollführenckann, was er in einem Augenblicke der Rührung seines Herzenssich vorgenommen hat. Er halte sich darum nicht für unfähigzum Besserwerden, weil seine schönen Gemüthsbewegungen allzu-Vergänglich waren. Er behandelte seine Vervollkommnung nurauf die unrichtige Weise. Er wollte Gefühle in sich verewigenAnd bleibend machen, die ihrer Natur nach vergänglich sind,und vergaß, daß er im häuslichen und bürgerlichen Leben nurDasjenige auf eine gute Art vollbringt, was er mit kalter Ueber-Legung entworfen und nach allen Verhältnissen berechnet hat.
Aber auch noch einen andern Grund gibt es, warum wir»fr allzubald muthlos werden, unsere gefaßten guten Entschlüssebeizubehalten; und es ist dieser: daß wir uns mit einemmale zusiel vornehmen, und mehr, als uns jemals möglich sein kann,
. zu vollenden.
Dies geschieht zum Beispiel, wenn wir uns in Stunden derEinsamkeit und Ueberlegung vorsetzen, allen Leidenschaften,