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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Das, was du geloben möchtest, thust: was kann Gott dadurchverlieren? Ist nicht Alles dein eigener Verlust? Wenn ei»Kind seine Aeltern um etwas anfleht, das ihm oder Andernzum Schaden gereichen könnte, und wenn es mit den heißestenThränen fleht: werden die Aeltern den Wunsch des unverstän-digen, kurzsichtigen Kindes erfüllen? Und wenn dies mit beharr-lichem Eigensinn fortführe zu bitten, und, um die Erfüllung desWunsches zu bewirken, den Aeltern ein Stückchen Brotes böte,das es von ihnen empfangen: würden die Aeltern den Sinn desKindes thun? Und wenn dafür das Kind gelobte, künftig rechtgehorsam zu sein, würden die Aeltern nicht sagen: dies istauch ohnedem deine Pflicht; du würdest dich durch Ungehorsamselber in Schaden setzen? Und so, wie dieses Kind, steht derMensch zu Gott. Ach, und der Sterbliche, wer er auch sei'7 istvor dem Allweisesten noch unendlich unwissender und kurzsichtiger,als ein unmündiges Kind vor irdischen Aeltern.

Man pflegt nur Gelübde zu thun, wenn irgend ein beson-derer Wunsch hart am Herzen liegt. Da ist größere Inbrunstand Heftigkeit des Gebetes. In allem Andern haben wir unssonst gern auf die Weisheit und Güte des ewigen Vaters ver-lassen; hier aber schreien wir zu Gott, gleichsam als könntenund wollten wir durch unser» Ungestüm erzwingen, daß erunfern Willen erfülle, oder als wäre unsere Weisheit höher,denn Gottes Weisheit. Ein solches Gebet ist wohl das Gebetdes Eigensinnes zu nennen. Wie aber, wenn die Erhörungdes Wunsches unser unvermeidliches Verderben gewesen wäre?Wie, wenn das, was wir zum Gelübde und Opfer darboten,«inen furchtbarern Nachtheil für uns gehabt hätte, als dasjenige«ns Freude machen konnte, was wir dagegen zu erhalte»wünschten? Hätte Jephthah wohl sein Gelübde gethan, wen»er dessen schreckliche Folgen voraus gewußt haben würde? Ach,konnte den Vater die Ehre, Feldherr und Oberhaupt zu sein,reizender dünken, als das Leben seiner einzigen Tochter? Zuspät ergriff ihn verzweifelnde Reue, daß er seine Kleider vorSchmerz zerriß. Er überlebte seinen schrecklichen Verlust nursechs Jahre.