L72
wenn cr unsere Tugend, unfern Much prüfen will, wie er einstAbrahams frommen Much geprüft hat.
Er sendet die Tage der Prüfung; aber nicht Jeder bringt diewohlgefälligen Opfer. — Viele verlieren in diesen Stürmen derPrüfung das Liebste, was sie auf Erden haben, und mögen esendlich auch Opfer heißen — aber es sind nur Verluste, nichtOpfer. — Viele entschließen sich zu großen Aufopferungen fürdie gute Sache, achten weder Freund, Vermögen noch Leben.Aber oft bringen sie diese Opfer nicht sowohl Gott, als nurihrem eigenen Ehrgeiz, oder ihrer eigenen Feigheit, oder ihrerBegierde nach Ruhm, oder irgend andern verborgenen Absichten.Der Werth des christlichen Opfers offenbart sich darin: wemes gebracht wird und wie es gebracht wird.
Wem anders soll cs gebracht werden, als Gott? Denn wer,was cr lieb hat, dahin opfert um einen irdischen Nutzen, der hatnur diesen zu seinem Abgott gemacht; er hat Staub für Staubgegeben. Sie haben ihren Lohn dahin, spricht Christus. —Es ist kein Opfer, das sie verrichten, sondern ein Tauschund Kauf.
So opfert auch der Trunkenbold Ehre und Achtung auf fürfeine Leidenschaft; so opfert auch der Wollüstling seine Gesund-heit auf für die Befriedigung lasterhafter Wünsche; so opfert«uch der Zornmüthige Hab und Gut und Blut auf, um nurseinem Feinde schaden zu können.
Alles für Gott! Und wir sollen keinen andern Gotthaben neben ihm, dem wir opfern; am wenigsten sollen wirunsere eigenen Sünden und unreinen Begierden z-u Götternerheben, denen wir sklavisch dienen und das klebrige aufopfern.
Alles für Gott! — Nur ihm, dem Alles gebührt, auchLas Höchste und Köstlichste der Erdengüter. So opferte Abraham;so unendlich größer noch Jesus Christus.— Er fordert dieOpfer von uns, wie cr sie von Abraham forderte; wenn auchnicht durch sichtbare himmlische Boten, die er zur Erde sendet.Dre Schicksale sind seine Engel, die er uns schickt; — sie kom-men von ihm, den Heldenmuth unserer Tugend, die Stärke