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Andern mehr so sehr schaden durch dein Beispiel, sondern mehrund Alles dir selbst zu leid thun.
Allein der laue Christ ist oft durch sein Beispiel gefährlicher,als der Spötter. Sein Betragen ist nicht anstößig; daher nähertman sich ihm ohne Arg. Er verdient im bürgerlichen Leben viel-leicht Achtung; darum scheut man sich nicht, ihm nachzuahmen;und thätig in Berufsdingen, aber weder kalt noch warm imChristenthum, das er nur gleichsam des guten Anstandes willenbeochachtet, findet er unglückliche Nachfolger.
Er versteht vielleicht die Kunst, Reichthümer zu sammeln,weswillen ihm der gemeine Haufe der Menschen Ehrfurcht zollt;aber nach höherm Gut gelüstet ihm nicht. Er hat vielleicht inder bürgerlichen Welt hohe Aemter errungen, aber Seelengrößefehlt ihm, wie die Religion sie fordert. Ersteht vielleiH imRuhm großer Kenntnisse und Gelehrsamkeit und seltener Geistes-gaben; aber die Erkenntniß des Höchsten, die lebendigmachendeWeisheit, die Einsicht in den Werth und Zweck seines Daseinsbekümmert ihn wenig. — So hat er Alles, um vor dem Volkzu schimmern; aber vor Gott bleibt er dunkel. Doch wehe, dieleicht verführbare Menge sieht auf ihn, wird durch sein Beneh-men geblendet, und trachtet, lau wie er in der Religion, nurnach dem mit Eifer allein, was irdisches Wohlsein bereitet.
So verderben wir unwillkürlich durch das Beispiel unsererLauigkeit in der Religion das Herz von hundert Andern; wirsind Mitschuldige an ihrer Unvollkommenheit. Wir bestärken dieunwissende, leichtsinnige, leicht verführbare Menge in dem Wahn,daß die Religion nur Nebensache sei; daß es mit äußern Gebräu-chen, mit dem Besuch der Kirchen, mit einigen Almosen, miteinigen auswendig gelernten, täglichen Gebeten, mit Beobachtung. kirchlicher Feierlichkeiten abgethan werden könne, um seine Pflichtengegen Gott zu vollziehen; daß es genug sei, nur Niemandemoffenbar zu schaden, der Obrigkeit und ihren Gesetzen Folge zuleisten, um seine Pflichten gegen die Menschheit zu vollftrecken.—Ach, irren wir uns nicht, Gott läßt sich nicht spotten!
Irren wir uns nicht, das Heil unsers Geistes läßt sich nichtspotten! — Der laue Christ ist nicht mehr Christ. Er versäumt