Wahrheiten des ihnen mitgetheilken Glaubens. Dann ist denZweifeln das Thor geöffnet, und der Strom ihrer eigenen Sinn-lichkeit wirbelt sie mit sich hinweg. Denn das ist des MenschenGewöhnliches, daß er lieber vom Aeußersten zum Aeußersten über-springt, als auf der Mittelstraße der Wahrheit fortschreitet, diezartbegrenzt zwischen Jrrthümern auf beiden Seiten hinleitet. >—Es ist eben so häufig, Personen, die in der Jugendzur empfindelndenAndächtelei angehalten wurden,Freigeister werden zu sehen, als ausschweifendeZweifler und Glaubenslose im Alter die eifrigstenAndächtler werden. Denn Gefühle sind keine Grundsätze, undErregungen der bloßen Einbildungskraft keine Überzeugungen.
Auch ist es eine nothwendige Folge der in unfern Tagenoberflächlichen, halben Geistesbildung, daß die Besitzer derselben,welche über Alles absprechen, Alles können wollen, die Naturund die ewigen Schranken ihrer Gemüthsvermögen selbst viel zuwenig kennen, weil das einer der schwierigsten Gegenstände desForschens ist. Sie würden es zwar thöricht finden, mit denAugen das Geheimniß der Naturkräfte ausspähen zu wollen,wodurch Pflanzen und Thiere mit den wunderbarsten Triebenbegabt sind; aber es scheint ihnen nichts Widernatürliches, ver-mittelst der Vernunft Wesen und Ursprung der Welt und derGottheit, das Unendliche vermittelst des endlichen Maßstabesermessen zu wollen. Eingebannt in das Sinnliche, wollen sieüber eine übersinnliche Welt urtheilen, deren Dasein sie nichtläugnen können; oder sie maßen sich an, abzuläugnen das tteber-irdische, weil sie es nicht sehen, während sie leichtgläubig viele«r-ndere Dinge für wahr halten, die man ihnen auf Treue undGlauben hin berichtet hat. So treten sie, um. das Uebersinn-liche zu erforschen, über die Grenzen des Erkenntnißvermögenshinaus, und spielen dann mit Täuschungen der Phantasie, wosie Wahrheiten entdeckt zu haben meinten. Sie werden es nichtgewahr, daß außer die Grenzen der Vernunft hinaustreten, un-vernünftig werden heißt, und daß, wenn man Alles läugnensollte, was unbegreiflich ist, heißen würde, das Dasein seinerselbst, das Dasein des eigenen Geistes verläugnen, welches an