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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Gedanken und Einfällen auch nur einen Augen-blick nach; sondern wie sie sich dir aufdrängen, zer-streue dich durch irgend ein Geschäft aufder Stelle;denke: dies ist Wirkung deiner Unpäßlichkeit; verlasse den Platz,wo du stehest oder sitzest; begib dich zu Menschen, rede mit ihnen,bleibe nicht allein. Mit einem Worte: zerstreue dich sogleich;denn je länger du nachdrnkst, dich betrübst, dir Vorwürfe imStillen machst, je mehr gewöhnst du dich an diesen verhaßtenGang deiner Gedanken; je öfter kehren sie folglich, auch gegendeinen Willen, wieder zurück. Die Vorstellung, welche du weg-wünschest, wird damit nur bleibender und fester. Du bist deinerEinbildung zuletzt nicht mehr Herr und Meister. Jeder Wahn-sinn ist eine solche falsche Vorstellung, die der Mensch, statt siedurch Zerstreuung in sich auszurotten, fest und bleibend gemachthat, indem er ihr im Stillen nachhing. Man findet daherhäufig Verrückte, die so lange sehr vernünftig urtheilen, alsinan im Gespräch nichts berührt, was ihre festgewordene Haupt-Vorstellung aufweckt, von welcher aus sie Alles betrachten. Ge-wöhnlich führen deswegen Hochmuth oder Geschlechtsliebe zurVerwirrtheit des Verstandes, weil diese Leidenschaften sich amunaufhörlichsten mit einem und demselben Gedanken und Gegen-stände beschäftigen, wodurch er zur ausschließlichen Macht undHerrschaft im Gemüthe gelangt. Schwer ist es, körperlicheGewohnheiten abzulegen; noch schwerer, geistige Gewöhnungen,die endlich, je länger sie dauern, zur andern Natur werden.Diese Gewöhnungen aber, obgleich wir sie geistig nennen, liegennicht sowohl in dem Wesen unsers unsterblichen Geistes selber,als in den zarten Nervenwerkzeugen der Seele, von denen, durchallzuunmäßige Reizung, ein Theil überreizt wird und in unheilbareSchwäche gerathen kann.

Daher ist Zerstreuung und Mannigfaltigkeit der VorstellungenLas sicherste Mittel, nicht nur Leidenschaften in ihrem Erwachsenzu lähmen, sondern auch einem möglichen Wahnsinn vorzubeugen.

Doch selbst schon zu Ergreifung dieses Mittels ist eine gewisseKraft des Geistes nothwendig, Bloße Ueberzeugung vom Gutengibt sie nicht- und aus der Erkenntniß des Nützlichen entspringt