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Es gibt eigentlich weniger Nationalstolz oder ausge-sprochenes Selbstgefühl unsers Gesaw.intwerthes, alsNational-eitelkeit oder prahlerisches Prachttrciben mir unserm Habenund Können. Diese Eitelkeit gehört aber nichts weniger alszu den Blüthen der öffentlichen Tugend, sondern sie ist eineder Welt ausgestellte Urkunde verborgener Schwäche. Wer sichinnern Verdienstes bewußt ist, hat nicht vonnöthen zu prahlen,um Achtung zu gewinnen. Nur wer die Ueberlegenheit Anderernicht läugnen kann, sucht sich durch Nebendinge einen Rangüber ihn zu geben; oder wer unwissend genug ist, suhlt Ver-gnügen darin, einen Andern, den er nicht hinlänglich kennt,neben sich zu verachten.
Wie Eitelkeit und Stolz an einem einzelnen Menschen zuseinen beleidigendsten Fehlern gehören, welche man im gemeinenLeben am wenigsten zu verzeihen geneigt ist: so ist der National-stolz, wie er sich auch äußern möge, lächerlich oder empörendfür andere Völker, gegen die er geübt wird. Nationalftolz isteiner unserer Leiter zu großen Handlungen. Er stößt leichtUebermuth ein im Betragen gegen die Nachbarn, der früh oderspät durch eine rächende Stunde gedemüthigt wird; er stößt unsallzugroße Nachsicht gegen unsere Schwächen, allzugroße Sicher-heit in unserm Benehmen ein, während der Scharfblick Anderergegen unsere Unvollkommenheiten und Blößen keinesweges blindbleibt, und sie zu Nutze zieht.
Ehre die Rechte jedes Volks, und hilf sie ehren.Sprich deine Achtung für die Unschuld und die Befugnisseanderer Nationen da aus, wo Ort und Zeit dich dazu auffordern,und du von ihrer Unschuld und ihren Gerechtsamen überzeugtbist. Es muß sich eine öffentliche Meinung bilden, welche demEroberer, dem Ländersüchtigen, dem Völkerunterdrücker entgegen-steht. Ein Volk, welches gleichgültig bleibt bei unverdienterMißhandlung eines andern durch Uebermacht, verdient selbstdas Loos der Mißhandlung zu erfahren, und wird es früheroder später erfahren. Denn ohne die Schlaffheit, Selbstsucht,Gleichgültigkeit oder den kleinlichen Nationalhaß der Völker untereinander, würde es nie einen allgemeinen Unterdrücker, einen