Ihr seid durch euer erhabenes Alter die Lehrer der Jugend.Seid denn ihre treuesten Freunde; aber ahmet nicht die Thor--heiten derselben nach. Wer die Würde seines Alters vergißt,der entsagt freiwillig den Ansprüchen auf jene Schonung, dieihm seiner Jahre wegen gebühren. Der Greis kann nicht mehrdurch Schönheit des Körpers, nicht mehr durch die ehemaligeKraft und Lebendigkeit gefallen: er soll die Gemüther durch hoheTugend rühren, durch Weisheit einnehmcn, durch Freundlichkeitund leutseliges Wesen bezaubern.
Seid die Führer und Wegweiser eurer jünger« Mitchristen,aber störet nicht durch mürrisches Wesen ihre Freuden, zu welchendas jugendlichere Alter sie berechtigt. Ermüdet sie nicht durchKlagen über den Verfall der Sitten, und durch das Preisenjener Zeiten, da ihr noch jünger wäret. Denket, daß mancheSitten, Gewohnheiten und Gebräuche abändcrn, ohne daß sieimmer schlechter werden müssen. Denkt, daß ihr, deren Kräftefür die Reize der irdischen Welt allmälig stumpfer geworden,weniger nach jenen Dingen fraget, die euch sonst ebenfallserfreuten.
Eben die Vergänglichkeit irdischer Freuden, die ihr erfahrenhabt, soll euch bewegen, die Jugend zum weisen Genüsse der-selben zu ermuntern.
Seid nachsichtvoll gegen die Thorheiten der Jüngern, undrichtet sie nicht allzu strenge; erinnert euch eurer eigenen Jugend.Verbreitet bis zum letzten eurer Augenblicke Freude um euch.Verbannet das mißtrauische Wesen. Liebet die Welt und ihreBewohner auch noch im Alter mit kindlicher Gutmütigkeit, undseid Stifter des Friedens und der Eintracht in ihren Familien.
So sammelt ihr euch das Zutrauen, die Liebe Aller, dieeuch umgeben; so vollbringet ihr noch den Abend eurer Tagemit Gott gefälligen Werken; so erheitert die wahre ReligionJesu, welche nicht bloß im Gebet und äußern Gottesdienstbesticht, sondern darin, daß ihr den Willen eures Vaters imHimmel thut; ihr erheitert durch sie eure letzten Augenblicke.
Dann werden, wann euch Gott, unser ewiger Vater, zuden Freuden ruft, die droben bereitet sind, dann werden eure