Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

formeln, die wohl gar zuweilen in fremder Sprache abgefaßtsind, führet ihr sie nicht zur Ehrfurcht, sondern zur VerspottungGottes nicht zur Religion an, sondern zur Entweihung derReligion!

Christliche Mutter, nimm dein Kind zuweilen einmal inder Woche mit dir in die Einsamkeit. Erzähle ihm erst, wieviel Gutes es und du schon von dem Allergütigsten empfangen,wie viel Gutes ihr, dein Kind und du, noch von ihm zu erwartenhabet. Erzähle ihm dies in der einfachen Sprache des Herzens,die zum Herzen dringt. Und hast du nun das weiche Gemüthdeines Kindes also vorbereitet, dann Mutter, christliche Mutter,falle nieder auf deine Knie, laß dein Kind neben dir knien, sprichihmein kurzes Gebet, ein Wort zu Gott vor, kein auswendiggelerntes nein, ein Wort, wie es dir aus der Seele quillt,ein Wort, wie du cs aus dem Herzen deines Kindes zu Gottsprechen würdest das Kind spricht dir nach; es versteht denSinn des Gebets, es bittet dann, es dankt dann gewiß mit

kindlicher Inbrunst.-Das heißt ein Kind mit Gott reden

lehren! Mutter, der Allgegenwärtige umschwebt dich und deinbetendes Kind, und sein Segen wallt über euch nieder! Mutter!so wird dein Sohn, deine Tochter dereinst auch für dich in derStille beten, wie du es sic gelehrt hast. Mutter, so wird deinKind einst für dich beten, wenn dich eine Krankheit entkräftet;so, mit dieser heiligen Andacht, wird dein Kind einst für dichbeten, wenn du einmal nicht mehr beten kannst; so, mit dieserheiligen Andacht, wird es einst über deinem Grabe knien, undnicht Herz - und gedankenlose Worte machen.

Freiwillig muß bei den Kindern die Gottesverehrung imGebet sein, nicht erzwungen. Jeder Zwang vernichtet die Freudig-keit, mit der wir uns Gott nahen sollen. Jeder Zwang entheiligtdie heiligste Handlung, und nimmt der Andacht ihren scgenvollenWerth für die Seele. Ihr, o christliche Aeltern, müsset das Ge-müth der Kinder erst zur Andacht empfänglich machen, daß inihnen selbst der Wunsch zur Unterhaltung mit dem himmlischenVater rege werde. Ihr könnet durch Zwang todte Worte erpressen,aber keine Empfindungen der Liebe, Ehrfurcht und Andacht.