Kunst aufhört und euer beobachtender Blick nicht hinreicht. Ihrkönnet zwar dem Kinde verbieten, böse zu handeln; aber dieErinnerung an den allwissenden Gott allein kann es verhindern,auch nur etwas Böses zu denken. Ihr könnet den Ungehorsamstrafen, welchen ihr sehet; aber den Ungehorsam, welchen ihrnicht sehet, straft die Empfindung der Religion in ihm.
Auf solche Weise ist und soll die Religion des zarten KindesErzieherin sein, und wird mehr leisten, als ihr selbst vcrmögetdurch Mahnung, Warnung und Lehre.
Doch der Gedanke an Gott muß nicht allein der Inbegriffder Kindesreligion sein; sondern der Geist der christlichenReligion, der heilige Geist muß das Herz des Unmündigendurchdringen. Und dieser Geist des wahren Christenthums istdie Liebe, wie Gott selbst die Liebe ist. — An euch ist es, dasHerz des Kindes aufzuschließen, daß dieser heilige Christussinndarin eingehen könne. Dazu sind bloße religiöse Gespräche,bloße Lehre und Unterricht nicht genug. Euer Unterricht kannallenfalls das Gedächtniß des Kindes, aber nie sein Herz genugbeschäftigen. Euer Beispiel, euer Wandel wird mehr vermögen,als euer Unterricht. — Behandelt das Kind mit Liebe, selbstwenn ihr es wegen eines Fehlers strafen müsset: es wird euchwieder lieben. Saget ihm keine Unwahrheiten: es wird vor derLüge erröthen, und mit Offenheit entgegengehen. BegegnetJedermann mit Achtung oder Leutseligkeit: es wird sich hüten,gegen Andere unfreundlich zu sein. Ehret alles fremde Eigen-thum: das Kind wird nichts berühren, was ihm nicht angehört.—Die unerfahrne Jugend folgt blindlings den Fusistapfen ihrerErzieher. Aeltern, vergesset nicht, daß ihr zu den Fehlern, inwelchen euer Kind verirrt, meistens selbst die erste Bahn gebrochenhabet; daß die Liebenswürdigkeit, mit welcher es sich schmückt,nicht selten nur der Wiederglan; eurer eigenen Tugend sei.
Wollet ihr also, daß das Kind Ehrfurcht gegen Gott undReligion habe — zeiget ihm selbst in cuern Worten und ThatenReligion und Gottesfurcht! — Mißbraucht nie die heiligenNamen; zeiget euch nie gleichgültig gegen die öffentliche Gottes-verehruna, nie leichtsinnig und gedankenlos beim Gebet.