und Leibeskraft zerstören; Verschwendung, Wohlleben und Feind-schaft können das größte Vermögen in Armuth verwandeln. Woist sein Glück, wo seine Freiheit, wo seine Ehrwürdigkeit?
Das ist das große Uebel der Menschen, hoher und niedererStände, daß sie im Umhertrerben des alltäglichen Lebens mitunglaüdlicher Unverständigkeit die bloßen Mittel zum Zweckegewöhnlich für den Zweck selber halten, und über das An-schaffen der Mittel den Zweck derselben vergessen. Wie bei denMenschen, so bei ganzen Völkern, denn die Völker bestehen ausMenschen.
Es kann die Staatskunst der Großen allerdings ein Landfür einige Jahre glänzend machen. Aber liegt im Volke selbstnicht eine innere, hohe Kraft des Gemüthes, zu Allem, wasgut und recht ist, entschlossen: so wird es bald nach den eistenunangemessenen Anstrengungen um so schwächer und erschlaffterwerden. Auch ist der große Geist oder das Glück eines Fürstennicht auf seine Nachfolger erblich. Daher wird, was die Ctaats-klaghcit des Einen erfand, von Andern wieder versäumt; was derEine erwarb, von Andern verschwendet. — Und worauf richtetsich gemeiniglich die ganze Herrscherkunst derer, die durch ihreeigene Klugheit ein Volk zu erheben gedenk.n? Ist es auf diewahre Glückseligkeit des Volkes abgesehen? auf Beförderungder Sitteneinfalr, der öffentlichen Tugend, der Freiheit, desRechtsgesühls, der Unbestechlichkeit, der Vaterlandsliebe, derAnerkennung des wahren Verdienstes? Oder ist es nicht öftermehr um Landescrweiterung, furchtbare Macht, größere (Ein-künfte, in die Augen fallende Pracht, um einen Eroberernamenund dergleichen zu thun? — Wozu aber diese Mittel, wenndarüber der Zweck derselben vergessen wird? Wozu diese Mittel,welche, auch wenn ste endlich erworben sind, eben sowohl zumBösen als zum Guten angewendet werden können?
Nur Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, — nicht dieMacht und Menge der Kriegsschaaren, noch deren Geschicklich-keit, Gewandtheit und Muth. Zwar, wie dem einzelnen ManneLeibeskraft zum Vorzug und zur eigenen Sicherheit dient, istauch kriegerische Stärke ein nothwrndiges Bedürfniß des Landes,