dem Grabe nach. Liebet mich, und der Tod hat uns nochnicht getrennt. Kann er trennen, was Gott selbst hienieden soinnig zusammenschloß? — Meine Wehmuth ist keine Frucht desZweifels, sondern des Verlangens nach euch. Wir werden unswieder haben, dort, wo keine Wehmuth mehr ist und keineTrennung, sondern nur Vollendung, nur Entzücken. DerSchöpfer schuf uns auf Erden für einander ; er schuf uns fürdas ewige Sein, nicht für den flüchtigen, irdischen Augenblick.Hier war es, wo er uns gleichsam einander zeigte, damit wir destoverlangensvoller nach unserin höhern Ziele streben sollten. Mitden Banden des Glaubens nicht nur, auch mit den Banden derLiebe, fesselte er unsere Gemüther an den Himmel.
Ja, dort, nicht hienieden, ist mein wahres Vaterland, meinerechte Hcimath. Dort hinauf zu meinen Lieben wendet sich meinthränenschwercr Blick, dort hinauf meine Andacht, mein Ge-lübde. Ja, ich will auf Erden leben für das Ewige, unterden Sterblichen für meine verklärten Unsterblichen. Wo isteine Sünde, die mir anklebt? ich will sie von mir reißen. Woäst eine unreine Begierde, die mein Herz vergiftet? ich will sieaufopfern. Wo ist ein Unrecht, das ich gcthan? ich will esverbessern. Wo ist ein Mensch, den ich beleidigte? ich will ihnaussöhnen.
. Wir werden, wir sollen, wir müssen uns wiederfinden!O überreiche Gnade und Güte meines Gottes! wie danke ichdir? wie kann ich vergelten? J.h fühle meine Armuth, meineSchwäche, aber ich fühle es auch, Du, mein Gott, meinewiger Vater, bist die Seligkeit des Weltalls. Ich will dieEinsamkeit suchen, ich will mich mit Thränen der Wehmuthund des Entzückens vor Dir beugen, und meine stummenSeufzer, meine Thränen verherrlichen Dich!