Genoffen des Elends machtest und ohne Trost verließest — Un-barmherziger, cs ist ein Gott, ein Tag der Vergeltung! — siewerden dich dort ohne Trost lassen ; die Unschuld, die ein Opferdeiner geilen Lüste geworden, die durch dich dem Fluch undden Thronen ewiger Verzweiflung preisgegebcn ward, sie wirdwider dich zeugen!
Der Gedanke des Wiedersehens erfüllt des Sünders Herrmit Entsetzen. Vergebens sträubt sich gegen ihn die schuld-bewußte Seele. Nur bessern Geistern ist er willkommen; nurtugendhaften Gemüthern blühen in diesem Gedanken unnennbarreizende Hoffnungen auf. Er gibt ihnen ein lebendigeres Ge-fühl des ewigen Geisteradels, der eigenen Würde und derhohen Bestimmung. Er macht ihnen das Leben heiterer, dieSterbestunde süß. Er stärkt ihre Kraft zur Tugend und zumSiege. Sie verstehen den Sinn des heiligen Wortes: Werüberwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem andern Tode,(Offenb. Joh. 2, 11.) - '
Frommer Greis, der dir mit hingesunkenen Kräften zumnahen Ende deiner Laufbahn hinschwankst, sehnsuchtvoll, wieder Müde zum Schlaf— dir ist wohl! Du weißt, was dicherwartet, du weißt, was du verlierst! Wie kann dir nochwohl sein auf Erden? Deine Sinne sind stumpf geworden; dieKraft deines Geistes kann nicht mehr durch sie wirken und sichlebendig darstcllen. So ist auch im alten Fruchtbaum zwar derwunderbare Lebenstrieb (des Baumes Seele) unzeschwächt vor-handen; aber die feinen Gefäße und Röhren sind verwittert undverhärtet, durch welche derselbe sonst aus dem Erdreich nährendenSaft bis zu den höchsten Zweigen senden konnte. Die Zweigegrünen noch schwach, aber blühen können sie nicht mehr, auchkeine Früchte tragen.
Du bist fast fremd geworden auf Erden. Die Gespielendeiner Jugend sind längst von dir hinweggegangen, deine bestenFreunde, deine Freundinnen hast du alle überlebt — auch vonden treuen Gefährten deiner spätern Jahre schlummern diemeisten schon im Grabe. — Sie schlummern! Dein Staubruht bald neben dem ihrigen.