Siehe, um Trost war mir sehr bange! — Ach amLängsten in jenen Tagen meines Lebens, wenn ich, vom Gefühlmeiner Verderbtheit ergriffen, Gott, Du Gerechter, Du Nicheerder Gewissen, an Deiner Gnade verzweifelte.'' Am bängsten injenen Tagen, da die Schuld meiner Thaten mich niederdrücktemit Zentnerschwere; da ich die strafenden Folgen meiner Ver-gehungen tragen mußte, und ich wider mich selbst wüthete. Wiekonnte ich, o Weltrichter, hoffen, daß Du mir meine zahllosenSünden vergeben werdest, da ich selbst ste mir nicht verzeihenmochte? Wie konnte ich hoffen, daß mein Gebet von Dir ge-hört würde, da ich, o Du Langmüthiger, Deiner Langmuth soschändlich durch Beharrlichkeit in meinen schlechten Neigungengespottet hatte? — Ich lag in tiefer Schwermuth. Meine Tagewaren ohne Heiterkeit, meine Nächte ohne Ruhe. Ich sah michvon meinen Lastern umstrickt, ob ich sie gleich verfluchte, undeilte durch immer neue Versündigungen dem ewigen Verderbenzu, ob ich gleich nach Vergebung seufzte. Vor mir standen dieTodespforten offen — ich sah die Schrecken des Gerichts — unddoch ward ich nicht besser. Ich war nicht würdig aller Barm-herzigkeit und Treue, die Du an mir erwiesen. Und doch er-müdete deine Langmuth nicht. Du gabst mir neue Frist zurBesserung. Ich hörte sie wieder, die Stimme meines Jesus,meines Hirten. Mit der Erkcnntniß meiner Fehler erschien diebittere, aufrichtige Reue; mit der Reue die Sinnesänderung.Ich kämpfte muthiger gegen meine lasterhaften Verhältnisse,gegen meine innere und äußere Ungerechtigkeit; ich betete in-brünstiger zu Dir. Um Trost war mir sehr bange.
Du aber hast Dich meiner Seele herzlich an-genommen, daß sie nicht verdürbe! — Ja, Du freund-licher, ewig liebender Vater, Du allein auch nur konntest es.Denn Dein ist die Macht über die Welt des Staubes und derGeister. Was vermochte des Arztes Hilfe und die Kraft seinerArzneien, wenn ich da lag auf dem Schmerzenlager, und meineGebeine waren wie zermalmt, und meine Besinnung erlosch?Nur Dein Wille belebte meine aussterbendcn Kräfte wieder;hatte ich genug gelitten, dann erschien Dein Trost. — Du nur