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alle für Christen, alle für vernünftige Wesen halten, recht überdasjenige nachgevacht, was eigentlich Gottes Gnade sei,und worin sie nur allein bestehen könne, was Buße sei, undworin sie eigentlich bestehen solle: sie würden wahrscheinlichweder in ihrem selbstmörderischen Leichtsinn länger verbleibenwollen, noch sich fruchtlos mit schwermüthigen Zweifeln anGottes Barmherzigkeit quälen, und in Bußübungen ihr Heilsetzen, die dem erhabensten Wesen nicht gefallen können.
Erhebe du dich aber, o meine Seele, zur Betrachtung dergöttlichen Gnade! Wie kann dir wohler sein als bei ihrem An-blick! Sie gewährt dir im Weltall jede Freude, und ist die all-einige Bürgschaft für eine frohere Ewigkeit. Ohne sie ist hierund dort kein Leben, hier und dort kein Heil; ohne sie wäre dirbesser gewesen, du hättest nie das Licht der Welt erblickt, sonderndu wärest ewig im dunkeln Nichts geblieben, aus welchem dichdie Hand der Allmacht hervorzog.
Ja, Gott ist gnädig — und ewig gnädig! Darumwinkte er, und das prachtvolle Weltall stieg glänzend in dasDasein hervor, und Alles, was darin athmet und lebt, athmetund lebt in Gott und seiner Liebe.
Gott ist gnädig; auch ich war sein Gedanke, auch ich seinWille, sonst wäre ich nicht. Auch ich war der Gegenstand seinerallwaltenden Fürsorge, und als er alle Welten ordnete, undden Beruf und das Glück des kleinsten Wurms bestimmte, daordnete er auch mein Heil an. Ach, was war ich denn, daß erauch meiner gedachte? — was Hatteich ihm denn zuvor gegeben,das er mir wieder gab? — Nichts bin ich gewesen; nichts habe ichzuvor geleistet; nichts habe ich, als seine unendliche Gnade.
Und durch sein wundervolles Weltall herrscht und waltetein großes, ein ewiges, ein beseligendes Gesetz, und dies ist dasGesetz der Gnade! Ich erkenne dies Gesetz, wie sich nachdemselben Alles richten, Alles lenken muß, das Belebte und Un-belebte. Es regiert den Lauf der himmlischen Gestirne und denLebenssaft in den Adern der kleinsten Blume. Es wirkt ewig undgroß durch das Reich entfernter Sonnen, und im finstern Schooseder Erde, wo die gährenden Elemente Metalle zeugen. —