Druckschrift 
3 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

baß midjfig fein, maß für unß einige Sßidjtigfeii hat. ©ben fo

wenig wiib man immer aufgeforbert, feine Meinung über anbere

^erfoneit unb beren Angelegenheiten gu äußern. Unb wenn ich $

aud) aufgeforbert mürbe, bin id) barum immer oerpflid)tet,

fcg(eid) mein Urtheil gu faden ? ®ebe id) nicht jebergeit eine

©chmädje meineß Sßerftanbeß ober meinet Ipergenß bloß, wenn

id) über Anbere abfpredje, ohne ihr ^nnerfteß unb bie Seweg*

grünbe ihre« ^Betragen* gu fennen? Unb bin td) nicht aufgefor*

bert, nicht gur SÖiittheilung beffen oerpflichtet, maß ich bon mir

anb Anbern weiß, um wie otel frecher ifl bann ber unberufene

^tauberer! © forbert bieCjfenljergigfeit, bieHÖabrheitßlicbe,

' baß ich AUeß, maß ich fage, aud) benfe unb glaube. Aber bagegenforbert bie JBefdjeibenheit, bie Klugheit, bie ©chonung, baß ichnicht Alleß fage, maß ich benfe unb weiß,

ßß foK mir enblicb gum®efe| werben, baß td) fdjmetge,fobalb ich mahrnehme, übermanne mich bie 2eb#haftigfeit meiner ©efühle. 3n Unmuth ober 9Ser*gnügen fann ich leicht burd) ein unüberlegteß 2ßort gu oiel thun. -

3<h habe oft erfahren, ©ine unbefonnene 3utvaulid)fcit hat '

nicht feiten baß bitterfte Unglücf herbetgeführf. 3d) bin nid)timmer £crr über meine ©efühle. ©ie fonnen rege merben; ftemögen fein. Aber in ber Sebhaftigfeit berfelben min ich wirfebe entfdheibenbe ^anblung, jebeß entfdheibenbe SSBort unter#fagen. 91 ur fo bleibe id) .fjerr meiner felbft unb jebeß ©eheim#ntffeß, baß ich wir felbft bagu madje, ober meldjeß meiner üreue«nb SSerfchwiegenheit anoertraut marb. Ach ©ott, gib mir j?raft!

©rnjt ijt mein SBille, meine ©efmfucht, immer beffer unb mofl#gefälliger oor ©ir nach bem 33eifpiele meineß 3efu gu wanbeln,aber wer ftchert mich gegen meine eigenen ©djmächen? ©trfannft burch bie -Stacht ©eincß heiligen ®eifteß. O ftche mir >>

bei in ben Augenblicfen ber Prüfung! *

®t|

^llti

Riffel

**