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wird reifen, aber wehe, einst vielleicht euerm grauen Haar zumFluch, oder den Tagen eucrs hilflosen Alters zur Beschämung!
Verschönert mit harmlosen Freuden die Tage der Kindheit!— Machet, wenn ihr keine Welt beglücken könnet, wenigstensdie ganze Seligkeit eines Kindes, daß es noch mit dankbarerRührung euern Namen nenne, wenn ihr längst von allen an-dern Menschen vergessen seid. Wer weiß, welche Leiden undMühseligkeiten auf dieses junge Geschöpf in den Stunden derdunkeln Zukunft warten? Vielleicht steht ihm eine lange Reihevon Uebeln aller Art bevor. O, so machet ihm wenigstensseine Kinderwelt hell und heiter, daß es nicht ganz elend seiund noch in den künftigen trübestcn Augenblicken Freudenziehe aus dem verlornen Paradiese seiner Jugend. — Wurdetihr vielleicht selbst in eurer Kindheit mit unmenschlicher Härteund Ungefälligkeit von den Eun'gen behandelt: o so ahmet demBeispiel derer nicht nach, die für euch immerdar ein verhaßtesAndenken sind; so erinnert euch der bittern Thränen und desSchmerzes, der damals in eurer Seele brannte, als man euchmißhandelte, als man euch vernachlässigte und zurücksetzte.Wollet ihr, könnet ihr nun an Unschuldigen die Grausamkeitüben, die ihr sonst au euern Erziehern tadeltet?
' Verschönert die Tage der Kindheit mit harmlosen Freuden!Aber mit harmlosen Freuden! das heißt, mit solchen, die fürHerz und Leben keine schädlichen Folgen bringen, die keine Reueerzeugen, keine Wunden Nachlassen.
Die Verzärtelung der Kinder mit ewigen Liebkosungen, un-Hemessene Nachsicht mit allen ihren Fehlern, Selbstverblendungüber ihre Untugenden, ist eben so große Grausamkeit gegen sie,als wenn man sie verwahrlosen und immerdar mißhandelnwürde. Früh lerne das Kind seine Pflichten kennen und üben!Nur ein frommes, unschuldvolles Kind kann liebenswürdigsein; nur Unschuld kann alle Freuden der Unschuld empfinden;nur mit Vollziehung der Pflichten, die wir uns und Andernschuldig sind, paart sich der reinste Genuß von Freuden. Werirgend eine böse Neigung im Herzen des Kindes nachsichtvoll be-