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die Freiheit deines Herzens, um nicht einer thörichten leben-zerstörenden Selbstverblendung und Leidenschaft zum Raube zuwerden. Du bist in Gefahr, es zu werden, srbald du außer derNähe dieser Person nicht mehr- wie sonst, glücklich bist; sobaldder Gedanke an sie dich unablässig verfolgt; sobald unter dieserNeigung alle andern edlen Neigungen in dir schwächer zu werdenbeginnen. Das ist schon Anfang der Leidenschaft. Bedenkedas Ende!
Willst du ihren herzzerreißenden Ausgang nicht erleben: sonähre sie nicht! — Nur durch die Nahrung, welche du derLeidenschaft reichst, wird sie zu deinem Verderben wachsen, undstärker werden, bis du von ihr überwältigt und verzehrt wirst.
Erwäge deine häuslichen Verhältnisse und Verpflichtungen,ob sie dir gestatten, schon an eine Heirath denken zu dürfen. Istdiese nicht jetzt ausführbar, sondern erst in einer ungewissenZukunft ein bloßes trauriges Vielleicht: so stehe ab. Von derZukunft ist dir kein Sterblicher Bürge. Kein Sterblicher ist dirBürge, daß du nach Jahr und Tag diejenige Person noch liebens-würdig finden werdest, die dir heute gefällt; daß sie dir gefallenwürde, wenn du ihre Gemüthsart und so manchen Keim desSchlechten darin näher kenntest. Kein Sterblicher ist dir Bürge,welche Veränderungen Zeit und Jahre und andere Bekannt-schaften in den Neigungen und Gefühlen des Andern oder indeinen eigenen bewirken. Wahrlich, nichts ist veränderlicher,als das menschliche Gemüth; nichts weniger dauerhaft, als einjugendliches Gefühl, in dessen erstem Aufbrausen man freilichgern und fest glaubt, cs müsse von Ewigkeit sein. — Vergleichedeine Jahre mit den Jahren der Person, an die du dich an-schließen möchtest, und denke, wie schon nach fünf und zehnJahren ein widerliches Mißverhältnis' euers beiderseitigen Alterseintreten könne. Denn der Mann erblühet erst in derselben Zeitvollkräftig, wo weibliche Schönheit schon im Abwelken ist.
Erwäge die häuslichen Verhältnisse und Verpflichtungenderjenigen Person, deren Anmuth dich vielleicht mehr, als seindarf, rührte. Kennst du diese Verhältnisse nicht: wie willst duso waghalsig die Freiheit und die Heiterkeit deines Lebens auf