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du etwas redest oder thust. Liebst du deinen Miterschaffenen,wie du sollst, so liebst du nur dich selbst in ihm. Darum, wasdu willst, das dir die Leute thun sollen, das thue du ihnen auch.Kannst du wollen, daß man dich mit Unwahrheiten täusche,auch nur zum Scherz? — Aber auch segnen wirst du den, der,um ein größeres Uebel von dir abzuwehren, aus wahrer Liebezu dir eine gefährliche Wahrheit verschwieg.
Ja, cs gibt Wahrheiten, die, wenn sie zur Unzeit bekanntwerden, großes Unheil veranlassen können. Wir müssen abernie so sehr darauf sehen, ob durch muthvollcs Bekenntniß derWahrheit unscrm eigenen Nutzen Ern trag geschieht,als nur darauf, ob damit die Ruhe und Wohlfahrt Anderer ge-fährdet werden könnte. — Die Liebe wird dich allezeit khrcn,wo du reden, wo du schweigen müssest.
Bekenne die Wahrheit, wenn ihr Verhehlen Andern einengroßem Nachtheil bringt, als dir Vortheil; bekenne sie, wennihr Verhehlen zwar Einigen nützt, aber noch weit MehrernGefahr droht. Die Liebe wird dich lehren, was Recht sei; nursie öffne dir den Mund. Aus Rachsucht Wahrheiten an denTag bringen, ist ein eben so schimpfliches Vergehen, als sic auSEigennutz verbergen.
Bekenne die Wahrheit, wenn auch dir das Bekenntnißschädlich würde, aber verbirg sie schonend, wenn sie das Glückguter Menschen stört. Verbirg sie, wenn du, ohne SchadenAnderer, Verschwiegenheit gelobt hast. Verbirg sie, sobald dusuhlst, daß das, was du für wahr hältst, noch nicht einmal ganzunzweifelhaft ist, und bei Andern Verdacht und Unruhe erregenmüßte, ohne Ueberzeugung zu gewähren. Verbirg sie, sobalddu fühlst, das es noch nicht die rechte Stunde sei, wo.sie wohl-thätig erscheinen kann. Denn Alles hat seine Zeit. — Die Liebewird dich es lehren, »penn der glückbringende und vortheilhafteAugenblick da sei.
Darum ehre auch das an Andern^ was ihnen Wahrheitscheint, wodurch sie redlich und fromm sind, ob dir cs gleichJrrthum oker Vorurtheil zu sein dünken mag. Lebst du unterMenschen von anderer Religion, wirf dich nicht unberufen zürn