Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
239
Einzelbild herunterladen
 

Andere fehlt, also daß die kleinsten äußern Anlässe, die wir imflüchtigen Gewühl des Tagewerks kaum recht bemerkt haben,auf unser Innerstes von großer Wirkung werden können. Sokann ein Stäubchen, dessen wie nicht achten, und von denen wirzu Tausenden im Luftmeer umschwebt werden, die peinlichstenSchmerzen erzeugen, indem cs unser Auge berührt. Hier imGemüt!) ist das Gartenbeet, wo alle unsere Tugenden, alleunsere Fehler ihren ersten unbemerkten Sauren hinstreuten, undkeimten und groß wurden.

Nich die äußern Kleinigkeiten sind an sich die Urhebernnsers Gut- und Schlechtstes, sondern die verborgenenEigenthümlichkeiten unsers Gemüths; dunkele Vor-stellungen, dunkele Gefühle. Diese entscheiden über das Wohlund Wehe unsers Lebens.

Jesus Christus, der tiefe Menschenkenner, welcher mit göttlich-klarem Blicke die Natur der schwachen Sterblichen durchschaute,kannte diese Quelle unsers Verderbens gar wohl, und den Einfluß

der Kleinigkeiten von außen auf unsere Gejmnungcn. In derbildlichen Sprache des Morgenlandes, und um ganz von denenverstanden zu werden, zu welchen er redete, drückte er sich dar-über aus. Dahin gehört die merkwürdige Stelle in seiner Berg-predigt: Aergert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus undwirf cs von dir. Es ist dir besser, daß eines deiner Gliederverderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.Aergert dich deine rechte Hand, so haue sie ab, und wirf sie von dir.Es ist besser, daß eines deiner Glieder verderbe, und nicht derganze Leib in die Hölle geworfen werde. (Matth. 5, 29. 30.)

Bei diesen Bildern, die Jcsuü nicht wörtlich genommenwissen wollte, dachte er keineswegs, daß uns das Aüge oder dieHand selbst ärgern, das heißt, zur ungerechten Handlung ver-leiten könne, sondern er deutete damit mehr auf jene kleinenUmstand?, welche auf die Gestnnungsart der Menschen wirken.Er forderte keine wn kliche Se bstverstummclung des menschlichenKörpers, sondern die Aufopferung derjenigen Ursachen, undwenn sie uns auch noch so liro wären, durch welche wir zumSündigen gereizt werden.