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lauf leider ein beständiger Wechsel von guten Vorsätzen undleichtsinnigen Vergessenheiten, von Bereuungen, Kämpfen undneuen Vergehungen ward: so daß ich zuletzt an meinereigenen Besserung verzweifelte, oft meine jugendlich frommenGesinnungen selbst wie Schwärmereien ohne Werth ansehenwollte, und zuweilen nicht an die Möglichkeit glaubte, daß einSterblicher ungeachtet aller Mühe einen hohen Grad tugend-licher, das heißt christlicher Vollendung erschwingen könne.
Dies ist die Geschichte vieler Menschen, die in ihren jünger»Jahren gewöhnlich edlern Herzens waren, und nach erhabener»Zielen strebten, denn in ihren später» Tagen; die Geschichtevieler Menschen, welche ihre Herzensverschlimmerung mit allenqedenkbaren Scheingründen bemänteln oder wohl gar rechtfertigenwollten, wozu ihnen die Selbstsucht Vorwände genug darbot.
In der Thal ist aber auch das jugendliche Alter an sich, wie-wohl ohne sein Verdienst, heiliger, unschuldiger, empfänglicherfür das Erhabene der Religion, als es die spätem Jahre sind.Der Jüngling und die Jungfrau, kaum den Tagen der Kindheitentgangen, haben von dieser noch immer das schöne Gefühl derUnschuld geerbt. Unbekannt mit den tausend mannigfaltigenUmständen, welche das menschliche Herz erschüttern und ändernkönnen, unerfahren in den Denkarten und verschiedenen, Allesverschlingenden Neigungen der Erwachsenen, halten sie jedenfür so schuldlos und Alles Gute wollend, wie sie sich selbstkennen. Denn jeder Mensch hat, um Anderer Werth zu richten,keinen andern Maßstab, als seinen eigenen Werth.
So athmen sie sehr hochherzig nur für das, was schön undedel ist; sie verabscheuen das grobe Laster; ihr Sinn ist offen fürdas Göttliche; die Welt schmückt sich ihnen mit Zauberfarbcn;ihre reizbaren Empfindungen sind in beständiger Regung; ihrer««gezähmten Einbildungskraft schweben nur schmeichelnde Er-wartungen vor; sie verschmähen die Erfahrungen gemeinerWirklichkeit, und trauen sich voller Selbsttäuschung Muth undKraft genug zu, immerdar nur das Beste zu thun, das Höchstezu wollen, was Religion und Vernunft darstcllen. So kommendann die feierlichen Augenblicke großer Gelübde — aber ach! es