Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

diese Zweifel sind nicht Geburten deines Herzens, sondern deinesungewissen Verstandes, der das Unendliche begreifen und dasGrenzenlose mit seiner Einbildungskraft umspannen will. Duwirst irre an den höhern Angelegenheiten der Menschheit, irrean der Religion, weil du irre an dir selbst geworden bist und andeiner Kraft. Du standest schaudernd an den Grenzen mensch-licher Erkenntniß, und ungenügsam mit den Offenbarungen,welche die Natur und die heilige Schrift gaben, ungenügsammit dem Glauben ur-d der Sehnsucht deines Herzens beidegab dir und allen Sterblichen der Schöpfer! wolltest du dieSchranken der Endlichkeit überspringen. Um das Geheimnis!des Weltalls zu durchdringen, müßtest du Gott selbst sein.

Du hast eine Religion in deiner Brust. Ohne Wahnsinnkannst du deine Seele nicht aus deinem Leibe hinwegläugnen,nicht die Gottheit aus dem Weltall, nicht die Wahrheit ausJesu erhabenen Lehren. Jüngling, noch ein Schritt! Habe denMuth, dir selbst getreu zu sein. Es ziert dies Gefühl den Mann,cs verschönert die Mutter, cs macht den Greis ehrwürdiger.Aber ein religiöser Jüngling ist die Hochachtung Aller, weil csbei ihm eine Kraft des Herzens voraussetzt, welche man kaumvon seinen Jahren erwarten kann; einen Muth, der dem Leicht-sinn seiner Altersgenossen Trotz bietet; eine Geistesstärke, welchesich nicht verbergen will, sondern aus Wort und Sinn und Thathervorstrahlt.

Dringe darum deine Ueberzeugungen nichtAndern auf; sondern bewahre sie, als ein heiliges Kleinod,in deinem Herzen; aber wie du forderst, daß man dir diesKleinod nicht raube, nicht mit Spott entweihe, sondern schwei-gend ehre: so ehre auch die religiösen Gesinnungen, selbst diereligiösen Gebräuche deiner Nebenmenschen. Diese Gebräuchesind ehrwürdig, weil sie auf sinnliche Wesen, je nach ihrer ver-schiedenen Stimmung, bald stärker, bald schwächer, jederzeitaber heilsam eingreifen. Darum beobachte in der Ueberzcugungdieser Wohlthätigkeit die Gebräuche deiner Kirche mit. Rechnecs dir zur Ehre, öffentlich zu bezeugen, welches Sinnes dubist. Schließe dich nicht von den feierlichen Versammlungen der