Druckschrift 
4 (1844)
Entstehung
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Überspannung, das ist der gemeinere; und Mangel an Phi-losophie und Menschenkenntniß gebiert konventionellePhraseologie und macht Alltagsschriftsteller, das ist der gewöhn-lichste Fehler. Ich habe nicht selten Leute schlecht schreiben ge-sehen, die in einer vertrauten Gesellschaft vortrefflich sprachen,und die, die besser träumen (im Schlaf) als sie schreiben, findetman überall. Im Traume des gemeinsten Menschen spricht derUndeutliche undeutlich und der Geheimnißvolle geheimnißvoll,oft recht zur Qual des Träumenden selbst, der doch der Urhe-ber von Allem ist, und der, wenn er wachend so etwas schrei-ben sollte, sich gewiß die Qual sehr erleichtern, aber auch dafürwieder als gemeiner Phraseologe einhertreten würde.

Ich überlasse die Auflösung dieses psychologischen Problems,die nicht sehr schwer ist, dem Leser selbst. Findet er sie, so wirder bald auch erkennen, was er zu thun hat, um einen Cha-rakter so fest mit der Feder zu zeichnen, als er ihn im Traumehandeln läßt, wenn es ihm nämlich nicht gänzlich an dem fehlt,was man sich hierbei zwar nicht selbst geben, aber auch garwohl besitzen kann, ohne es zu wissen. Das erste ist auch hierdas Nachzeichnen, ehe man sich ans Schaffen macht. DonQuirote, Sancho, Fallstaff und Pastor Adams') habenvermuthlich alle eristirt. Daß sie im Leben nicht alles das ge-than haben, wovon ihre verewigten Geschichtschreiber reden, rührrbloß daher, daß sie nicht Gelegenheit gehabt haben, es zu thun.

') In Fielding's losoplr ^närorvs.