Druckschrift 
Grundlehren der Chemie für Jedermann : besonders für Aerzte, Apotheker, Landwirthe, Fabrikanten, Gewerbtreibende, und alle Diejenigen, welche in dieser nützlichen Wissenschaft sich gründliche Kenntnisse erwerben wollen
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Zinnober und Wasser so viel als hinlängich ist zum Rothfarbenund zur syrupartigcn Masse. Hierin werden die mit Schwefelversehenen Hölzchen einzeln eingetaucht. Die rothe Farbe istNebensache. Man kann mit Bcrlinerblau, Chromgelb oderKienruß der Masse auch andere Farben ertheilen.

Da an jedemSchwefelhölzchen nurwenig von der Zündmassehangen bleibt, so sieht man leicht ein, daß sie in einer sol-chen Zertheilung auch nach dem Trocknen nicht mehr schädlichwerden kann.

Ein Schießpulver, welches statt des Salpeters chlor-saures Kali enthalt, ist von einer viel großem Wirkung als ge-wöhnliches Schießpulver. Wenn bei einer Ladung von 6 Loth ,gewöhnlichen Pulvers die Kugel Z7Z Fuß weit getragen wird, ^so schleudern 6 Loth des mit chlorsaurem Kali bereiteten Pulversdie Kugel 1173 Fuß weit. Durch eine zweckmäßige Bereitungkann seine Kraft um das 3fache des Schießpulvers verstärktwer- >den. Ein solches Pulver würde demnach viel Vortheil gewäh-ren, aber leider enzündet cs sich schon beym Transport ohne ^Feuer durch Stoß oder Druck; ist also nicht anzuwenden.

Brauchbarer ist eine ähnliche Mischung aus chlorsaurem Kali,nehmlich das Zündkraut oder Zündsalz zur Füllung derKupferhütchen, die Stahl und Stein am Flintenschloß entbehr-lich machen.

Man mengt, mit derselben Vorsicht wie oben angegeben,

100 Gran chlorsaures Kali,

12 Gran Schwefel und10 Gran Kohle

mit hinlänglichem Gummiwasser und bringt von diesem Breymittelst eines Pinsels einen Tropfen in jedes Kupferhütchenund stellt diese aufrecht, damit sie gehörig trocknen.

Sonst wendet man auch wohl zu diesem Behuf Knallsilberund Knallquccksilbcr an; da aber schon die Bereitung diesermit Gefahr verbunden ist, sie auch viel theurer sind als chlor-saures Kali, so ist dieß Grund genug, sich ihrer nicht zubedienen.