349
Physiologische Wirkungen.
Die Anordnung der Betrachtungen, welche sich auf die ver-schiedenen Wirkungen der Säule beziehen, hat einige Schwierig-keit, da die Betrachtung der einen Wirkung so nahe mit der Be-trachtung der andern verwandt ist; ich muß daher Sie um Ver-zeihung bitten, wenn ich zuweilen eine Bemerkung machen muß,die erst spater ihre volle Erklärung findet.
Die physiologischen Wirkungen waren es, die nach der Ent-deckung der voltaischen Säule zuerst das Erstaunen der Physikererregten, da man die früher beobachteten so sehr schwachen Ein-wirkungen auf die Sinne hier in unerwartet starkem Maaße gestei-gert sah. Schon früher, bald nach den ersten galvanischen Ver-suchen, hatte Volta auf zwei durch Silber und Zink vermittelstder einfachen galvanischen Kette hervorgehcnde Einwirkungen aufdie Sinnes-Organe aufmerksam gemacht. Man nimmt nämlicheinen eigenthümlichcn Geschmack auf der Zunge wahr, wenn mandas eine Ende eines Silbcrstäbchcns an die untere Seite der Zungeund das eine Ende eines Zinkstäbchens an die obere Seite derZunge bringt, dann aber die beiden andern Enden der Metallemit einander in Berührung bringt; und eben so laßt das Augeuns die Wirkung des clectrischen Stromes gewahr werden, wennman jene beiden Metalle mit beiden Augenwinkeln in Berührungbringt, indem dann, wenn die beiden andern Enden der Metallesich berühren, vor dem geschlossenen Auge eine schwache Licht-Er-scheinung vorübergeht. Statt dieser Erscheinungen bietet aber dieSäule nun viel stärkere und auffallendere dar.
Berührt man mit benetzten Fingern die beiden Pole einer .Säule, die aus SO oder mehr Plattenpaarcn besteht, so empfindetman im Augenblicke der ersten Schließung der Kette einen, beikleinen Säulen bloß in den berührenden Fingern, bei größer» Säu-len auch bis zu.entferntem Theilen der Hand und des Armes fühl-baren Schmerz, der auch während der dauernden Schließung, we-gen der in jedem Augenblicke wechselnd mehr'oder minder innigenBerührung, fortdauert. Die Empfindung ist, wenn man auchan beiden Polen auf ganz gleiche Weise berührt, ungleich an beidenPolen, und man hat diese Ungleichheit dadurch zu beschreiben ge-sucht, daß man sagte, die Empfindung am negativen Kupserpole