Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

93

um 19 Pfahle von Fußdicke auf einmal abzuschneiden, bietet nichtselten auffallende, aber auch gefährliche Erscheinungen dar. Diedabei oft entstehenden Eisdammungen, wo der Strom sich durchüber und unter einander geschobene Eisschollen selbst den Ausgangversperrt, bringen die gefährlichsten Ucberschwcmmungen hervor;und obgleich zuweilen ein Zertrümmern dieser Damme durch Kano-nenkugeln oder ein Zersägen durch zeitig genug gemachte Einschnittein das Eis, die Gefahr abwenden kann, so sind doch in großenStrömen die Fälle oft von der Act, daß sie allen durch mensch-liche Kraft anzuwendcndcn Hülfsmittcln viel zu mächtig sind.

Unter den noch nicht ganz erklärten Erscheinungen bei derEntstehung des Eises in Strömen verdient wohl das sogenannteGrund-Eis erwähnt zu werden. Da die Kälte uns immer durchdie Luft zugeführt wird, und die Erde im Innern, wenigstens inunfern Gegenden, keineswegs die Frostkälte hat, so scheint cs schondeswegen nicht wohl möglich, daß sich Eis auf dem Boden derGewässer bilden sollte. Dies scheint in süßem Wasser noch um somehr nicht geschehen zu können, da das schwerste Wasser nicht dasvon 9" Wärme, sondern das von etwa 4 Gr. Wärme ist, alsoam Boden ein Wasser sich sammeln muß, das nicht die Gefrier-kälte hat. Gleichwohl sind die Behauptungen, daß es ein Grund-Eis gebe, daß man mehrmals ein ganz entschiedenes Entstehen desEises am Boden der Gewässer bemerkt habe, so oft wiederholt wor-den, daß man kaum an ihrer Wahrheit zweifeln kann. Nach eini-gen Beobachtungen scheint cs, als ob die gute Wärmcleitung einessteinigen Ufers die Abkühlung bewirken könne; aber nach andernBeobachtungen entsteht auch in 19 Fuß Tiefe mitten im Flusse aufdem Boden Eis, und ein Beobachter in Solothurn fand dieAar am Boden in 19 bis 12 Fuß Tiefe gefrierend und 9" kalt,während das obere Wasser noch -j-1s bis 2" warm, die Luft abersehr kalt war. Wenn diese Eisbildung am Boden der Flüsse stattfindet, so überziehen sich zuweilen die auf dem Boden liegendenKörper so mit Eis, daß sic mit demselben bis auf die Oberflächedes Wassers heraufgehoben werden

tlwllotl,. Ulliv. XI.I. I>. 201. l'Iiil. lor 1816.