Eiscrystalle. Schnee.
Der Grund, warum außer einer niedrigen Temperatur aucheinige Bewegung erfordert wird, damit Eis entstehe, scheint inder regelmäßigen Bildung der Eiscrystalle zu liegen, bei welcher dieThcilchcn nicht ganz in der Anordnung bleiben, welche sic im Wasserhatten, und die daher eine Erschütterung, damit die neue Anord-nung der Thcilchcn cintrete, fordert. Wirklich aber zeigt sich unseine solche bestimmte Anordnung, indem das Eis Erystalle bildet.Wir sehen die Eisnadeln und Eisblatlchcn in einem Gefäße sichimmer unter Winkeln von 60 Graden an einander ansetzen, unddie Zwischenräume zwischen diesen füllen sich mit kleinern, ebensogeneigten Nadeln aus. Wir sehen diese Eisbildung am leichtestenund auch .fast am vollständigsten bei dem Gefrieren der Fenster-scheiben, deren dünne Wasserschichte sich gern mit großer Regel-mäßigkeit in Erystalle bildet. Ist an einer Fensterscheibe nur sehrwenig Feuchtigkeit, so finden wir einzelne sechsspitzige Sterne aufihr, die sich nur, wenn cs zu sehr an Feuchtigkeit gefehlt hat, nichtvollkommen zu sechsspitzigen Sternen ausbilden. Ist die Glas-scheibe ganz mit einer dünnen Schichte Wasser bedeckt, so schießeneinzelne Eisnadeln an und an diese fügen sich unter dem Winkelvon 60 Graden andre Nadeln, die oft sehr schnell zunehmen, oftin parallelen Richtungen einen bedeutenden Raum füllen. Soentstehen die Blumen an den Fenstern, bei denen die Krümmungder einzelnen Nadeln wohl thcils von Ungleichheiten im Glase,theils von der mehr oder minderen Dicke der Wasserschichtc hcrrührt.Man hat diese Regelmäßigkeit der Erystalle als sechseckige unddreieckige Prismen auch oft bei größern Eismasscn gefunden;Elarke aber glaubt gefunden zu haben, daß die eigentlich ursprüng-liche Gestalt der Eiscrystalle das Rhomboid mit Winkeln von 60und 120 Graden sei, daß aus diesem sich die größern Eiscrystallezusammensetzen, daß aber nur bei einem sehr langsamen Gefrieren,bei gelinder Kälte, diese Grundform kenntlich bleibe *).
Eben diese Bildung in Eisnadeln, an welche sich feinereEisnadeln unter dem Winkel von 60 Gr. ansehcn, zeigt der Reifund noch schöner der Schnee. Bei starkem Froste, am besten wenn
1
') Gchlcrs Wörter». Th. ur. S. 11t.