X
— 65 —
wundervollen Vergangenheit vor die Blicke. — Al-lcs, was ihn umgab, ward ihm zu einem heiligenDenkmal. Jeder Berg sah ihn bedeutsam an, alsob er ihm etwas Großes zu erzählen wüßte, unddas tiefe Schweigen der Natur rings um ihn her,es däuchte ihm nur Gefühl und Versunkenscpn indie Betrachtungen der erhabenen Dinge, deren Schau-platz sic einst gewesen war. So oft er in eine grüne,kränterrciclp Thalschlncht Hinabstieg, stieg er im Geistein irgend eine Lagerstätte seiner Väter hinnntrr.So oft ihn die Schatten eines überhangenden Fel-sen aufnahmcn, war cs ihm, als ob ihn Lüfte einesHeiligthums umwehten; — denn Pilger Gottes hat-ten diese Schatten gesegnet. So oft er einer einsa-men Palmcngruppe begegnete in der Steppe, daschauerte ihn der Gedanke an, hier möge wohl Mosescininal geruht, und im Kreise der Acltcsten heiligeBerathung gepflogen haben, und wo sein Weg indas Dunkel eines Akazien, oder Tamariskenhainssich verlor, da wurde ihm so eigen feierlich umsHerz, als hätte in diesem grünen Tempel irgendwojetzt noch der Heerführer Israels auf den Kniengelegen, und der Herr mit ihm geredet, »wie einMann mit seinem Freunde.» — So drängte eineherzcrhebcnde Erinnerung die andere. Die alten Hi-storien von den 40 Jahren gewannen für ihn eineGestalt und ein Leben, wie nie zuvor. Anschaulichwie in Gesichten gingen die einzelnen Austrittsderselben an ihm vorüber. Er gedachte nicht an
6