LADY ANNA.
(K0EN1G RICHARD 111.)
Die Gunst der Frauen, wie das Glück überhaupt, istein freies Geschenk, man empfängt es, ohne zu wissenwie, ohne zu wissen warum. Aber es giebt Menschen,die es mit eisernem Willen vom Schicksal zu ertrotzenverstehen, und diese gelangen zum Ziele, entweder durchSchmeichelei, oder indem sie den Weibern Schreckeneinflössen, oder indem sie ihr Mitleiden anregen, oderindem sie ihnen Gelegenheit geben sich aufzuopfern...Letzteres, nämlich das Geopfert - seyn, ist die Lieb-lingsrolle der Weiber, und kleidet sie so schön vor denLeuten, und gewährt ihnen auch in der Einsamkeit soviel thränenreiche Wemuthsgenüsse.
Lady Anna wird durch alles dieses zu gleicher Zeitbezwungen. Wie Honigseim gleiten die Schmeichelwortevon den furchtbaren Lippen... Richard schmeichelt ihr,derselbe Richard, welcher ihr alle Schrecken der Hölleeinflösst, welcher ihren geliebten Gemahl und den vä-
M.