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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Früchte hervorbringt. Er sprach sehr gut, bündig überzeugend, volksmäßig;nackte, kunstlose Rede, ganz im Bcrgprcdigcrton. Ich habe ihn freilich nurein einziges Mal reden hören, nämlich in dem Passage Sanmon, wo GarniörderVolksversammlung" präsidirte. . . Börne sprach über den Prcßvercin,welcher sich vor aristokratischer Form zu bewahren habe; Garnidr donnertegegen NikolaS, den Czaar von Rußland; ein verwachsener, krummbeinigerSchnstergcsclle trat auf und behauptete, alle Menschen seien gleich ... Ichärgerte mich nicht wenig über diese Impertinenz ... Es war das erste undletzte Mal, daß ich der Volksversammlung beiwohnte.

Dicjcs eine Mal war aber auch hinreichend . . . Ich will Dir gern, lieberLeser, bei dieser Gelegenheit ein Geständnis; machen, das Du eben nicht er-wartest. Du meinst vielleicht, der höchste Ehrgeiz meines Lebens hätte immerdarin bestanden, ein großer Dichter zu werden, etwa gar ans dem Capitolgekrönt zu werden, wie weiland Messer Francesco Petrarcha . . . Nein, eswaren vielmehr die großen VolkSrcdncr, die ich immer beneidete, und ich hättefür mein Leben gern auf öffentlichem Markte, vor einer bunten Versammlung,das große Wort erhoben, welches die Leidenschaften aufwühlt oder besänftigtund immer eine augenblickliche Wirkung hervorbringt. Ja, unter vier Nugenwill ich es Dir gern eingestehen, daß ich in jener unerfahrenen Jugendzeit, wouns die komödiantenhaften Gelüste anwandeln, mich oft in eine solche Nollehineindachte. Ich will durchaus ein großer Redner werden, und wie Dcmo-sthenes deklamirte ich zuweilen am einsamen McercSstrand, wenn Wind undWellen brausten und heulten; so übt man seine Lungen und gewöhnt sichdran, mitten im größten Lärm einer Volksversammlung zu sprechen. Nichtselten sprach ich auch auf freiem Felde vor einer großen Anzahl Ochsen undKühe, und es gelang mir, das versammelte Nindvichvolk zu überbrücken.Schwerer schon ist es, vor Schafen eine Rede zu halten. Bei allem, wasDu ihnen sagst, diesen Schafsköpfen, wenn Du sie crmahnst, sich zu befreien,nicht wie ihre Vorfahren geduldig zur Schlachtbank zu wandern ... sie ant-worten Dir, nach jedem Satze, mit einem so unerschütterlich gelassenen Mäh!Mäh! daß man die Contcnanze verlieren kann. Kurz, ich that alles, um,wenn bei uns einmal eine Revolution aufgeführt werden möchte, als deutscherVolkSrcdncr austreten zu können. Aber ach! schon gleich bei der ersten Probemerkte ich, daß ich in einem solchen Stücke meine LieblingSrolle nimmermehrtragiren kann. Und lebten sie noch, weder Demosthenes, noch Cicero, nochMirabcau könnten in einer deutschen Revolution als Sprecher auftreten:denn bei einer deutschen Revolution wird geraucht. Denkt Euch meinenSchreck, als ich in Paris der obenerwähnten Volksversammlung beiwohnte,fand ich sämmtliche Vaterlandsrettcr mit Tabakspfeifen im Maule, und derganze Saal war so erfüllt von schlechtem Knastcrqualm, daß er mir gleich aus