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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
282
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reichend, und sie ist es nuch für die Republikaner, die alle? glauben, was derlegitime Haß gegen Ludwig Philipp erfindet. Wir sahen dieses noch jüngst, alseine »errufene Vettel die bekannten falschen Briefe schmiedete, bei welcher Gele-genheit Herr Bcrryer sich bereits als Ndvocat der Fälschung in vollem Glänzezeigte. Wir, die wir weder Lcgitimist noch Republikaner sind, wir glaubennur au das Talcut des Herrn Bcrryer, an sein wohltöncndeS Organ, anseinen Sinn für Spiel und Musik, und ganz besonders glauben wir an dienngkhcurcn Summen, womit die lcgitimistische Partei ihren großen Sach-walter honorirt.

WaS Ludwig Philipp betrifft, so haben wir in diesen Blätter» oft genugnnsrc Meinung über ihn ausgesprochen. Er ist ein großer Konig, obgleichähnlicher dem Odysseus als dem Ajax, dem wüthcndcn Autokraten, der imZwist mit dem erfindungsreichen Dulder gar kläglich unterliegen mußte. Erhat aber die Krone Frankreichs nicht wie ein Schelm cScamotirt, sonder» diebitterste Nothwcndigkcit, ich möchte sagen die Ungnade Gottes drückte ihm dieKrone aufs Haupt, in einer vcrhängnißvollcn Schrcckcnsstunde. Freilich, erhat bei dieser Gelegenheit ei» Bischen Komödie gespielt, er meinte es nichtganz ehrlich mit seinen Committentcu, mit den JuIiuShcldcn, die ihn aufsSchild erhoben aber meinten cS diese so ganz ehrlich mit ihm, dem Or-leans? Sic hielten ihn für einen bloßen Hampelmann, sie sehten ihn lustigauf den rothcn Sessel, im festen Glauben, ihn mit leichter Mühe wieder hcr-abwcrfen zu können, wenn er sich nicht gelenkig genug an den Drähten regie-ren ließe, oder wenn es ihnen gar einfiele, die Republik, das alte Stück, wiederaufzuführen. Aber diesmal, wie ich bereits mal gesagt habe, war es dasKönigthum selbst, welches die Rolle des JuniuS Brutus spielte, um die Re-publikaner zu täuschen, und Ludwig Philipp war klug genug, die Maske derschafmüthigcn Einfalt vorzunehmen, mit dem großen sentimentalen Parapluieunterm Arm wie Stabcrlc durch die Gassen von Paris zu schlendern, BürgerCrcti und Bürger Plcti die ungewaschenen Hände zu schütteln, und zu lächelnund sehr gerührt zu sein. Er spielte wirklich damals eine Meiose Nolle, undals ich kurz nach der Juliusrcvolution hierherkam, hatte ich noch oft Gelegen-heit, darüber zu lachen. Ich erinnere mich noch sehr gut, daß ich bei meinerAnkunft gleich nach dem Palais Royal eilte, um Ludwig Philipp zu sehen.Der Freund, der mich führte, erzählte mir, daß der König jcht nur zu be-stimmten Stunden auf der Terrasse erscheine; früher aber, noch vor wenigenWochen, habe man ihn zu jeder Zeit sehen können, und zwar für fünf Francs.Für fünf Francs!rief ich mit Verwunderung zeigt er sich denn fürGeld? Nein, aber er wird für Geld gezeigt, und cS hat damit folgende Be-wandtniß: es giebt eine Soeietät von ClagcurS, Marchandö de Contre-margueS und sonstigem Lumpengesindel, die jedem Fremden anbieten, ihm