Unglück, daß er nicht auch den russischen Feldzug und die große Rctiradc imGeiste mitmachte. Wäre Hr. Thiers in seinem Buche bis zu Waterloo ge-langt, so hätte sich vielleicht sein Krtcgsmuth etwas abgekühlt. Was aberweit wichtiger und weit beachtenswertster als die kriegerischen Gelüste des Pre-mierministers, das ist das unbegrenzte Vertrauen, das er in seine eigenenmilitärische» Talente seht. Ja, eS ist eine Thatsache, die ich aus vieijährigcrBeobachtung verbürgen kann: Hr. Thiers glaubt steif und fest, daß nicht daSparlamentarische Scharmützeln, sondern der eigentliche Krieg, das klirrendeWaffcnspiel, seine angeborne Vocation sei. Wir haben es hier nicht mit derUntersuchung zu thun, ob diese innere Stimme Wahrheit spricht oder blosder eitel» Selbsttäuschung schmeichelt. Nur darauf wollen wir aufmerksammachen, wie dieser eingebildete Feldherrnrus wenigstens zur Folge hat, daßHerr Thiers vor den Kanonen des neuen Fllrstenconvents nicht sonderlich er-schrecken wird, daß es ihn heimlich freut, durch die äußerste Nothwendigkcitgezwungen zu sein, seine militairischen Talente der überraschten Welt zu offen-baren, und daß gewiß schon in diesem Augenblick die französischen Admiralcdie bestimmteste Ordre erhalten haben, die ägyptische Flotte gegen jeden Uc-bcrfall zu schützen.
Ich zweifle nicht an dem Resultat dieses Schutzes, wie furchtbar auch dieSeemacht der Engländer. Ich habe Toulon unlängst gesehen, und hege einengroßen Nespect vor der französischen Marine. Letztere ist bedeutender alsman im übrigen Europa weiß; denn außer den Kriegsschiffen, die auf dembekannten Etat stehen, und die Frankreich gleichsam officicll besitzt, wurde seitMi eine fast doppelt so große Anzahl im Arsenal von Toulon allmähligfertig gebaut, die in einer Frist von sechs Wochen ganz bcmannbar ausgerüstetwerden kann. — Wird aber durch ein bombardircndcS Zusammentreffen derfranzösischen und englischen Flotten im mittelländischen Meere der Friedenvon Europa gestört werden, und der allgemeine Krieg zum Ausbruche kom-men? Keineswegs. Ich glaub' es nicht. Die Mächte des Contincntswerden sich noch lange besinnen, che sie sich wieder mit Frankreich in ein To-dcSsviel einlassen. Und was John Bull betrifft, so weiß dieser dicke Mannsehr gut, was ein Krieg mit Frankreich, selbst wenn letzteres ganz isolirt zustehen käme, seinem Säckel kosten würde; mit einem Wort: das englischeUnterhaus wird auf keinen Fall die Kriegskostcn bewilligen; und das ist dieHauptsache. Entstünde aber dennoch ein Krieg zwischen den beiden Völkern,so wäre das, mythologisch zu reden, eine Malice der alten Götter, die, umihren jetzigen College:,, den Napoleon, zu rächen, vielleicht die Absicht haben,den Wellington wieder ins Feld zu schicken und durch den Gcncral-Feldmar-schall Thiers besiegen zu lassen!