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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Garnier-Pagds. Die liberalen Journale werden unterdrückt. DaSKrä-mcrthuin frohlockt, der Egoismus gedeiht, und viele der besten Menschen müs-sen Trancr anlegen. Die Abschreckungsthcorie wird noch mehr Opfer ver-langen. Schon ist der Nationalgardc Angst ob ihrer eignen Force; diese Hel-den erschrecken, wenn sie sich selbst in einem Spiegel sehen. Der König, dergroße, starke, mächtige Ludwig Philipp wird viele Ehrenkrcuzc austhcilen.Der bezahlte Witzbold wird die Freunde der Freiheit auch im Grabe schmähen,und letztere heißen jetzt Feinde der öffentlichen Ruhe, Mörder u. s. w.

Ein Schneider, der heute Morgen auf dem Vendomeplatzc es wagte, diegute Absicht der Republikaner zu erwähnen, bekam Prügel von einer starkenFrau, die wahrscheinlich seine eigne war. Das ist die Kontrercvolution.

Paris, den 8. Juni.

Es scheint keine ganz rothe, sondern eine roth-schwarz-goldene Fahne gewe-sen zu sein, die Lafayettc, bei Lamargnc's Todtcnfcicr, mit Immortellen be-kränzt hat. Diese fabelhafte Fahne, die Niemand kannte, hatten viele füreine republikanische gehalten. Ach, ich kannte sie sehr gut, ich dachte gleich:du lieber Himmel! das sind ja unsre alten Burschcnschaftsfarbcn, heute geschiehtein Unglück oder eine Dummheit. Leider geschah beides. Als die Dragoner,beim Beginn der Feindseligkeiten, auch ans die Deutschen einsprengten, diejener Fahne folgten, barrikadirtcn sich diese hinter die großen Holzbalken einesSchrcincrhofS. Später rctirirtcn sie sich nach dem Jardin des Plantcs, unddie Fahne, obgleich in sehr beschädigtem Zustand, ist gerettet. Den Franzo-sen, die mich über die Bedeutung dieser roth-schwarz-goldcnen Fahne befragt,habe ich gewissenhaft geantwortet: der Kaiser Rothbart, der seit vielen Jahr-hunderten im Kiffhäuser wohnt, habe uns dieses Banner geschickt, als einZeichen, daß das alte große Traumreich noch existirt, und daß er selbst kom-men werde, mit Sceptcr und Schwert. Was mich betrifft, so glaube ich nicht,daß letzteres so bald geschieht; cS flattern noch gar zu viele schwarze Naben umden Berg.

Hier, in Paris, gestalten sich die Verhältnisse minder traumhaft; auf allenStraßen Bajonncttc und wachsame Militärgcsichtcr. Ich habe es Anfangsnur für einen unbedeutenden Schreckschuß gehalten, daß man Paris in Bcla-gcrungSstand erklärt; es hieß, man würde diese Erklärung gleich wieder zurück-nehmen. Aber als ich gestern Nachmittags immer mehr und mehr Kanonenüber die Rue Richelieu fahren sah, merkte ich, daß man die Niederlage derRepublikaner bcnlltzen möchte, umändern Gegnern der Regierung, namentlichden Journalisten, an den Leih zu kommen. Es ist nun die Frage, ob dergute Wille" auch mit hinlänglicher Kraft gepaart ist. Man czploidirt jetzt