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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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schlagen, und mit der ganzen Aristokratie Europa's Krieg geführt; dieserKrieg sei noch nicht zu Ende, es sei nnr Waffenstillstand, die europäische Ari-stokratie hege noch immer den tiefsten Groll gegen Frankreich, es sei eine Blut-fcindschaft, die nur mit der Vernichtung der einen oder der andern Machtaufhöre; Ludwig Philipp aber sei ein König, die Erhaltung seiner Krone seiihm die Hauptsache, er verständige und verschwägere sich mit Königen, undhin und her gczerrt durch allerlei Hausverhältnisse und zur leidigsten Halbheitverdammt, sei er ein unzulänglicher Vertreter jener heiligsten Interessen, dieeinst nnr die Republik am kräftigsten vertreten konnte, und dcrcnthalber dieWiedereinführung der Republik eine Nothwendigkcit sei.

Wer in Frankreich keine theucrcn Güter besitzt, die durch den Krieg zuGrunde gehen können, mag nun leicht eine Sympathie für jene Kampflustigenempfinden, die dem Siege des demokratischen Prinzips das stille Glück desLebens aufopfern, Gut und Blut in die Schanze schlagen, und so lange fech-ten wollen, bis die Aristokratie in ganz Europa vernichtet ist. Da zu Europaauch Deutschland gehört, so hegen viele Deutsche jene Sympathie für diefranzösischen Republikaner; aber, wie man oft zu weit geht, so gestaltet sie sichbei manchen zu einer Vorliebe für die republikanische Form selbst, und da sehenwir eine Erscheinung, die kaum begreifbar, nämlich deutsche Republikaner.Daß Polen und Italiener, die, eben so wie die deutschen FreiheitSfrcunde,von den französischen Republikanern mehr Heil erwarten als von dem Justc-milieu, und sie daher mehr lieben, jetzt auch für die republikanische Ncgie-rungsform, die ihnen nicht ganz fremd ist, eine Vorliebe empfinden, das istsehr natürlich. Aber deutsche Republikaner! man traut seinen Ohren kaumund seinen Augen, und doch sehen wir deren hier und in Deutschland.

Noch immer, wenn ich meine deutschen Republikaner betrachte, reibe ich mirdie Augen und sage zu mir selber: träumst du etwa? Lese ich gar die deutscheTribüne und ähnliche Blätter, so frage ich mich: wer ist denn der große Dich-ter, der dies alles erfindet? Existirt der Doktor Wirtb mit seinem blankenEhrenschwcrt? Oder ist er nur ein Phantasicgebilde von Treck oder Immer -mann? Dann aber fühle ich wohl, daß die Poesie sich nicht so hoch versteigt,baß unsere großen Poeten dennoch keine so bedeutende Charaktere darstellenkönnen, und daß der Doktor Wirth wirklich leibt und lebt, ein zwar irrenderaber tapferer Ritter der Freiheit, wie Deutschland deren wenige gesehen, seitden Tagen Ulrichs von Hutten.

Ist es wirklich wahr, daß das stille Traumland in lebendige Bewegunggcrathcn? Wer hätte das vor dem Julius 1830 denken können! Goethemit seinem Eyapopeya, die Pietisten mit ihrem langweiligen Gebctbücherton,die Mystiker mit ihrem Magnetismus, hatten Deutschland völlig eingcschlä-fcrt, und weit und breit, regungslos, lag alles und schlief. Aber nur die