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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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welchen, baumwollenen Gedanken, bnntgcstickteWeste, Galantcriedegcn, weiß-seidene, lächelnde Beinchcn, »nd er parlirt französisch, und wenn man es insDeutsche überseht, ist es eine Dummheit Dagegen der Andre, der Großemit dem Schnurrbart, der Titane, der alle Betthimmel stürmen will! ichwette, er hat so viel Verstand wie der Apoll von Bclvcdere" Um den Rai»sonneur auf andre Gedanken zu bringen, zeigte ich ihm meinen Barbier, deruns gegenüber stand und seinen neuen altdeutschen Rock angezogen hatte.Kirschbraun wurde jetzt das Gesicht des Kammcrmusici und er fletschte mit denZähnen:O Sanct Marat! so ein Lump will den Freiheitshelden spielen!O Danton, Callot d'Hcrbois, Robespicrre" Vergebens trällerte ich dasLiedchcn:

Eine feste Burg, O lieber Gott,

Ist Spandau, ü. s. w.

Vergebens, ich hatte das Ding noch verschlimmert, der Mensch gerieth jetztin seine alten Ncvolutionsgcschichten, und schwatzte von nichts als Guillotinen,Laternen, Septembrisiren, bis mir, zu meinem Glück, seine lächerliche Pul-verfurcht in den Sinn kam, und ich sagte ihm: Wissen Sie auch, daß gleichim Lustgarten zwölf Kanonen losgeschossen werden? Kaum hatte ich dieseWorte ausgesprochen, und verschwunden war der Kammermusikus.

Ich wischte mir den Angstschweiß aus dem Gesicht, als ich den Kerl vomHalse hatte, sah noch die letzten Aussteigenden, machte meinen schönen Nach-barinnen eine mit einem holden Lächeln accompagnirte Verbeugung, und be-gab mich nach dem Lustgarten. Da standen wirklich zwölf Kanonen ausge-pflanzt, die dreimal losgeschossen werden sollten, in dem Augenblick, wo dasfürstliche Brautpaar die Ringe wechseln würde. An einem Fenster des Schlos-ses stand ein Offizier, der den Kanonieren im Lustgarten das Zeichen zumAbfeuern geben sollte. Hier hatte sich eine Menge Menschen versammelt.Auf ihren Gesichtern waren ganz eigne, fast sich widersprechende Gedanken zulesen.

Es ist einer der schönsten Züge im Charakter der Berliner, daß sie den Königund das königliche Haus ganz unbeschreiblich lieben. Die Prinzen und Prin-zessinnen sind hier ein Hauptgegcnstand der Unterhaltung in den geringstenBürgerhäusern. Ein ächter Berliner wird auch nie anders sprechen, alsunsre" Charlotte,unsre" Alexandrine,unser" Prinz Carl u. s. w.Sie können sich also vorstellen, wie sehr hier die schöne, leuchtende Alexandrinevom Volke geliebt sein muß; und aus dieser Liebe können Sie sich auch denWiderspruch erklären, der auf den Gesichtern der Berliner lag, als sie erwar-tungsvoll nach den hohen Schloßfenflern sahen, wo unsre Alexandrine ver-mählt wurde. Verdruß durften sie nicht zeigen; denn es war der Ehrentagder geliebten Prinzessin. Recht freuen konnten sie sich auch nicht; denn sie