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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Seitdem freilich ist unser armer Monsieur Müsset von seinem Jrrthumezurückgekommen, und er spielt nicht mehr den Blasö in seinen Dichtungen,aber ach! seine Dichtungen enthalten jetzt, statt der simnlirtcn Zcrstörniß, dieweit trostloseren Spuren eines wirklichen Verfalls seiner Leides- und Seelcn-kräfte... Ach! dieser Schriftsteller erinnert mich an jene künstlichen Ruinen,die man in den Schloßgärtcn deS achtzehnten Jahrhunderts zu erbauen pflegte,an jene Spielereien einer kindischen Laune, die aber im Laufe der Zeit unserwchmüthigstcs Mitleid in Anspruch nehmen, wenn sie in allem Ernste ver-wittern und vermodern und in wahrhafte Ruinen sich verwandeln.

Die Franzosen sind, wie gesagt, wenig geeignet, den Geist der Shakespcare-schen Comodien aufzufassen, und unter ihren Kritikern habe ich, mit Aus-nahme eines einzigen, niemand gefunden, der auch nur eine Ahnung vondiesem seltsamen Geiste besäße. Wer ist das? Wer ist jene Ausnahme?Gutzkow sagt, der Elcphant sei der Doktrinär unter den Thieren. Und einsolcher verständiger und sehr schwerfälliger Elcphant, hat das Wesen derShakcspcare'schcn Comödie am scharfsinnigsten aufgefaßt. Ja, man sollte eskaum glauben, es ist Herr Guizot, welcher über jene graziösen und muthwil-ligsten Lnftgebildc der modernen Muse das Beste geschrieben hat, und zn Ver-wunderung und Belehrung des Lesers, übersehe ich hier eine Stelle auS einerSchrift, die im Jahre 1822 bei Ladvokat in Paris erschienen, und "DeLlmkospeare st cls 1a Uossis ckramirticpus, xao ?. (Znieot" betitelt ist.

Jene Shakespeare'schen Comodien gleichen weder der Comödie des Molisrenoch des Aristophanes oder der Römer. Bei den Griechen, und in der neuerenZeit bei den Franzosen, entstand die Comödie durch eine zwar freie aber auf-merksame Beobachtung des wirklichen Wcltlebcns, und die Darstellung dessel-ben auf der Bühne war ihre Ausgabe. Die Unterscheidung einer komischenund einer tragischen Gattung findet man schon im Beginn der Kunst, undmit der Ausbildung derselben hat sich die Trennung beider Gattungen immerbestimmter ausgesprochen. Sie trägt ihren Grund in den Dingen selbst.Die Bestimmung wie die Natur des Menschen, seine Leidenschaften und seineGeschäfte, der Charakter und die Ereignisse, alles in uns und um unS, hatsowohl seine ernsthafte wie spaßhaste Seite, und kann sowohl unter dem einenwie dem andern Gesichtspunkte betrachtet und dargestellt werden. Diese Zwei-scitigkeit des Menschen und der Welt, hat der dramatischen Poesie zwei natür-lichermaßen verschiedene Bahnen angewiesen; aber während sie die eine oderdie andere zu ihrem Tummelplatz erwählte, hat die Kunst sich dennoch nie vonder Beobachtung und Darstellung der Wirklichkeit abgewendet. Mag Aristo-phanes mit unumschränkter Phantasie-Freiheit die Laster und Thorhciten derAthener geißeln; mag Molidre die Gebrechen der Leichtgläubigkeit, des Gei-zes, der Eifersucht, der Pedanterei, der adligen Hossart, der bürgerlichen Eitel-