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1 (1906)
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454. An Varnhagen von Ense.

Hamburg, den 1. April 1831

Lieber Varnhagen! Ich will Ihnen nur sagen, daßich lebe, zwar just nicht zu meinem Vergnügen wie Frauvon Varnhagen es gewiß wünscht, aber ich lebe dennoch.In dieser tollen Zeit ist es schwerer als je Briefe zuschreiben, wenn man nicht just bestimmtes zu sagen,melden, erbitten oder anzubieten hat. Des Welt-allgemeinen ist zu viel um es brieflich zu besprechen,das persönlich Wichtige ist wieder zu geringfügig in Ver-gleichung der großen Dinge, die täglich ohne unserZutun passieren. Werden die Dinge von selbst gehen,ohne Zutun des einzelnen? Das ist die große Frage,die ich heute bejahe, morgen wieder verneine, und vonwelcher Selbstbeantwortung immer meine besondereTätigkeit influenziert, ja ganz bestimmt wird.

Als ich nach dem letzten Juli bemerkte wie derLiberalismus plötzlich so viel Mannschaft gewann, ja,wie die ältesten Schweitzer des alten Regime plötzlichihre roten Röcke zerschnitten, um Jakobinermützen davonzu machen, hatte ich nicht üble Neigung mich zurückzu-ziehen und Kunstnovellen zu schreiben. Als die Sacheaber lauer wurde, und Schreckensnachrichten, wenn auchfalsche, aus Polen anlangten und die Schreier der Frei-heit ihre Stimmen dämpften, schrieb ich eine Einleitungzu einer Adclschrift, die Sie in 14 Tagen erhalten, undworin ich mich, bewegt von der Zeitnot, vielleicht ver-galoppiert und Sie werden der absichtlichen Unvor-sichtigkeiten genug drin finden und diese, sowie auch denangstschncllen, schlechten Stil billigst entschuldigen.

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