Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
224
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der peinlichen Situation eines kranken, mürrischen, vonGott und Welt geplagten Menschen. Euch leere Worteoder vielleicht Unwahrheiten zu schreiben, dazu seid Ihrmir gewiß zu lieb. Möge mir daher der gute Schwagerund seine kleine Frau mein langes Stillschweigen ent-schuldigen. Jetzt aber kann ich Euch schreiben, mitmeiner Gesundheit geht es besser, es war sehr schlimm

und auch in meinem äußeren Leben wird es lichter.Ich habe den ganzen verflossenen Winter anhaltendJurisprudenz getrieben, und war dadurch imstande vorigeWoche das juristische Doktorexamen zu machen, welchesich ganz vortrefflich bestand. Dieses ist in betreff desPromovierens die Hauptsache, alles andere, z. B. dasDisputieren ist leere Formel, und kaum des Erwähnenswert. Ich bin also jetzt der Sache nach Doktor, undes macht keine ironische Wirkung mehr, wenn Sie michin Ihren Briefen mit diesem Titel benennen. Ich werdejedoch erst in sechs Wochen disputieren, denn erstenshat es keine Eile, da ich doch bis Michaelis hier bleibe,zweitens will ich erst eine Dissertation fertig schreiben.Das ist die beste Nachricht, die ich Ihnen mitteilen kann,

alles andere liegt noch im Trüben. Sie können essich auch leicht erklären, warum ich Sie mit Nachrichtenüber meine äußere Lage, die, wie bei jedem vom Öko-nomischen bedingt ist, verschone. Man mag michimmerhin der Narrheit und Unklarheit anklagen, aberich weiß, ich denke und handle wie es innerer Würdegeziemt. Ich habe, lieber Moritz, meine bestimmte Jüry,über alles was ich tue,aber diese Jüry ist jetzt nochnicht zum Richter über mich versammelt. Es werdenschwerlich Kaufleute darunter sein.

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