206
gemacht hat, ist unbeschreiblich. Ich habe Sie in der That,bester Mann, einiger Schilderungen wegen, förmlich beneidet.Der Magdalenenblick, womit die Frau den Himmel zu versöh-nen hofft, ist so schön, daß ich, so wenig auch meine Naturnach dieser Gegend geneigt ist, gern mit Mühe alles Magdale-nische in mir zusammenzwingen wollte, um einmal einen Blickdamit nach dem Himmel zu thun, wenn ich wüßte, er brächteauf mich den Segen herab, so zu beobachten und zu schreiben.Sie können es an jenem Tage nicht verantworten, wenn Sienicht Zhr großes Talent hierin die Welt genießen lassen. —Ich weiß wohl, was Ihre Bescheidenheit hiergegen einwendenWird, allein das Alles ficht mich nicht an, denn ich besitze inreturn, nach hinlänglicher Erfahrung, genug gegenwiegende Im-pertinenz, zu behaupten, daß ich Recht habe. Ihr Brief warwahrhaftig zu schön, um bloß von einer Geliebten und einemFreund gelesen zu werden, ich habe ihn deswegen noch einemAndern mitgetheilt, dem Obristen von Malortie. Sie kennendie Verschlossenheit dieses vortrefflichen Mannes, und wenn eraufmacht, so ist es bloß zuin Besten.
Ihre liebste Therese hat Ihrem Brief ein vortreffliches Post-script angehängt. Ich bemerkte es nicht gleich, weil ich Vielesin Ihrem Brief dreimal las, ohne fortzufahren. Am Ende, daich das herrliche Compliment bemerkt, machte ich in der Ver-wirrung einen Gegenknix, und habe, fürchte ich, damit einpaar Tische umgeworfen. — Vor sechszehn Jahren, da ich micheinmal bei H. Dieterich befand, kam ein gesundes artiges Mäd-chen (wenigstens natürlich artig) vom Lande in unsere Gesell-schaft. Ich bedauerte sie schon beim Eintritt, weil ich gleichbemerkte, daß wir den Teufel alle besser kannten als sie. —Sie sagte, nachdem sie sich gesetzt hatte, wir möchten Ihr ver-