710
Polarisation iles Lichts.
liehen Lichte haben diese Vibrationen in schnellem und regel-mäfsigem Wechsel alle möglichen gegen die Richtung des Strahlssenkrechten Richtungen, und dann zeichnet sich also keineSeite des Strahls von der andern aus, das Licht ist nicht po-larisirt. Aber unter manchen Umständen zerlegen sich jene Vi-brationen nach zwei auf einander senkrechten Richtungen, undin einem so veränderten Strahle sind in zahlreichen Fällen allejene Quervibrationen ganz auf eine Richtung zurückgeführt, dannist das Licht vollständig polarisirt. Die Frage, ob im polari-sirten Strahle die Vibrationen in der Ebene, welche wir die Po-larisations-Ebene nennen, oder senkrecht gegen diese Ebene stattfinden, entscheidet sich aus später vorkommenden (nr. 27-)Gründen dahin, dafs die Vibrationen gegen die Richtung derPolarisations-Ebenen senkrecht sind. Diese Vibrationen fol-gen sich nun in den bestimmten Zwischenräumen, die wir eine
D '
Wellenlänge oderUndulationslänge nennen, und wenn zwei po-larisirle Strahlen nach gleicher Richtung fortgehn, so könnensie theils in Rücksicht auf die Richtung der Vibrationen ver-schieden seyn, theils in Rücksicht auf das Zusammentreffen derVibrationen entweder gleich seyn , oder um Theile einer Undu-lation einander voreilen. Die Frage, v r as in diesen verschiede-nen Fällen aus der Vereinigung zweier Strahlen hervorgeht,mufs bei den verschiedenen Erscheinungen, welche die Polari-sation darbietet, erklärt werden.
Die Zerlegung der Vibrationen, wenn sie auf eine andereEbene zuriickgefiihrt werden, oder wenn aus einer Vibrationnach bestimmter Richtung zwei Vibrationen in gegen einandersenkrechten Richtungen entstehn , geschieht ganz nach den Ge-setzen der Statik. Wenn ein Strahl unter dem Polarisations-winkel auf eine Spiegelfläche fällt und nun in der Reflexions-Ebene polarisirt hervorgeht, so ist die Geschwindigkeit = 1 sei-ner Vibration auf die Geschwindigkeit = Cos. y zurückgeführt,wenn y der Winkel ist, den die Vibrationen des ankommendenStrahls mit den Vibrationen des zurückgeworfenen machen 5war also jener Strahl schon polarisirt in einer unter dem Winkel— y gegen die Zurückwerfungs-Ebene geneigten Ebene , so istin jedem Augenblicke das Verhältnifs der Vibrationsgeschwin-digkeit = Cos. y und die Intensität des Strahls = Cos . 2 y, sodafs die aus Erfahrung abgeleitete Regel (nr. 16.) hier mit einemtheoretischen Grunde in Verbindung erscheint.