Druckschrift 
1 (1861)
Entstehung
Seite
38
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schaut überall dranS Herder; überall funkeln über-raschend poetische Bilder und Gedanken, so daßdas Ganze gleichsam in einem zauberhaften Dia-mantschleier blitzt und leuchtet. So spricht dereitle Autor, der Enthusiast für Poesie. Aber derstrenge Kritiker, der unerbittliche Dramaturg tragteine ganz anders geschliffene Brille, schüttelt denKopf, und erklärt das Ganze für — eine schöneDrathfigur. Eine Tragödie muß drastischsein — murmelt er, und das ist das Todes-urthcil der meinigen. — Hab' ich kein dramatischesTalent? Leicht möglich. Oder haben die franzö-sischen Tragödien, die ich sonst sehr bewunderthabe, unbewußt ihren alten Einfluß ausgeübt?DieS letztere ist etwas wahrscheinlicher. DenkeDir, in meiner Tragödie sind alle drei Einheitenhöchst gewissenhaft beachtet, fast nur vier Personenhört man immer sprechen, und der Dialog istfast so Preziös, geglättet und gerundet wie in derPhödre oder in der Zaire. Du wunderst Dich?