Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
Seite
23
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vollkommncn. Sie führten ein strenges Leben des Kasteiens undNachtwachens. Noch machtiger als solche Uebnngen, wirkte die Er-scheinung eines andern Einsiedlers auf die Seele des Ncophiten.Dieser kam Nachts in die Hütte wie sie eben bei ihrem Feuer wach-ten und forderte sie auf, gleich ihm die Stärke des Glaubens zubeurkunden, stellte sich mit bloßen Füßen auf die glühenden Kohlenund betete in dieser Stellung sehr langsam ein Vater Unser, ohnezu zucken oder von dem Feuer irgend beschädigt zu werden.

Dieses Beispiel stärkte den Pachomius mit neuer Zuversicht undstählte seinen gewaltigen Willen. Häusiger als sonst suchte er dieEinsamkeit in einer benachbarten Wüste, gelangte mit blutenden, zer-schundenen Füßen durch Dornen und Gestrippe dahin, und verweiltedort oft Tage lang in Gebet und Betrachtungen tief versunken.So lag er einst voll heiligen Nachdenkens und seliger Träume aneinem Orte, der Tabenna genannt wurde, auf den Kniecn, als plötz-lich eine Stimme wie aus dem Himmel ihm zurief: „hier verweile,hier errichte eine Wohnung für fromme Einsiedler und lehre sie le-ben nach den Regeln, welche meine Engel dir eingeben werden!"Und die Engel des Herrn reichten ihnr ein Täfelchen, worauf fol-gende Regeln deutlich geschrieben standen:

„Essen und trinken solle ein jeder können nach seinen Be-dürfnissen; aber jeder solle nach dem Maaße seines Essens arbei-ten. Keiner solle zum Fasten gezwungen und keiner davon abge-halten werden."

„Man solle verschiedene Zellen bauen, in deren jeder dreiEinsiedler wohnen. Das Essen für Alle soll an einem Orte ge-kocht und gemeinschaftlich von Allen verzehrt werden."

„Nachts sollen sie in leinenen Röcken schlafen und ihre Len-den gegürtet haben. Jeder soll einen weißen Mantel von Ziegen-haaren haben und solchen weder beim Essen noch Schlafen able-gen. Aber bei der Communion sollen sie ihre Gürtel lösen, denMantel ablegen und nur ihre Kapuze behalten."

„Sämmtliche Einsiedler sollen in 24 Haufen nach den 24Buchstaben des Griechischen Alphabets abgecheckt werden, so daßjeder Buchstabe diejenigen umfasse, welche gleichen Talentes, glei-cher Tugenden und gleicher Fehler wären, damit ein Fremderdiese Emtheilung nicht verstehen, der Eingeweihte aber um soleichter eine Uebersicht des Ganzen gewinnen könne."

„Jeder nicht diesem Verein angehörende und nicht auf die-selbe Weise gekleidete Einsiedler, soll nicht an der gemeinschaftli-chen Tafel, sondern nur mit dem Bruder, der gerade den Tages-dienst zu verrichten hat, essen."

„Wer einmal in diese Gemeinschaft aufgenommen ist, derkann sich Zeitlebens davon nicht mehr lossagen, soll während derdrei ersten Jahre alle ihm aufgetragenen Arbeiten mit Geduld,Ergebung und Fleiß verrichten, und alles Lesens dcrBi-