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der Kasteiung begonnen, und unerbittlich streng fortgesetzt. NachEgypten zu gehen, hatte sie so lange gewünscht und gebeten, bisder Vater das Schiff mit ihr bestiegen hatte. Nun sie da war,trieb es sie mit Allmacht hinweg aus dem Getöse der Stadt undGcwirre der Menschen. Nur die Liebe zu den Eltern hielt sie imvaterlichen Hause zurück.
Vater und Mutter waren kurz hintereinander gestorben. Syn-cletica war die reichste Erbin von Alexandrien und siehe da, sie ver-kaufte alles, vertheilte alles unter die Armen, und zog mit einerblinden Schwester hinaus, fortan als Einsiedlerinnen in einem Grabezu wohnen, den Rest des Lebens dem Gebet, der Kasteiung unddem strengsten Wandel zu widmen.
Bald sammelten sich Wittwen und Madchen um die Fromme,und bestürmten sie mit Thräncn um Belehrung und Aufnahme inihre Nahe. Ihre heilige Demuth und Bescheidenheit verbot ihrlange, als Lehrerin und Meisterin für Andere zu erscheinen. Aberendlich mußte sie nachgeben und widmete sich nun dem neuen Amtemit ganzer Seele. Heute noch kann ihr Unterricht ein Muster, undjede ihrer Lehren ein Spruch der Weisheit genannt werden.
Ihre fromme Gemeinde vermehrte sich tätlich und fand derNachahmer viele außerhalb Alexandrien. Die fast übermäßige Strengeihrer Lebensweise, ihre völlige Gleichgültigkeit gegen Wind und Wet-ter und für alle Bedürfnisse des Leibes, zogen ihr im achtzigstenJahre eine Lungenkrankheit zu, wozu ein Krebs im Gesichte sich ge-sellte, der, unaufhaltsam um sich fressend, so greuliche Dünste aus-hauchte, daß ohne Raucherungen und balsamische Kräuter Niemandmehr in ihre Nähe kommen konnte.
Mit unbeschreiblicher Sanftmuth und Geduld ertrug sie diesesschreckliche Leiden. Sie hielt es für eine milde Strafe des Him-mels für alle von ihr begangenen Fehler und Sünden; für eine Artvon Belohnung wieder, für ein neues Märtyrerthum!
Ihrer weinenden Schwester verkündete sie drei Tage zuvor dieStunde ihres Todes, und starb auch wie sie verkündet hatte. EineGlorie umstrahlte das Haupt der sterbenden Jungfrau, und dieseGlorie ist noch heute sichtbar jedem, der Reinheit, Kraft, Beharrlich-keit des Willens und ein schönes Streben nach dem Höchsten zuwürdigen versteht.
Syncletica ist die Patriarchin aller Klosterfrauen.