Materie.
1421
halten konnte, allein es war damit die Bahn gebrochen, dasObjective aufser uns aus geometrisch geformten metaphysischenSchlüssen abzuleiten , ohne die nothwendige Frage hinlänglichzu erörtern, ob und wie weit von mit sich selbst überein-stimmenden Begriffen auf objective Realität des Gegebenen ge-schlossen werden könne. Es lag hierbei zu nahe, um über-sehn zu werden , dafs jede Perception und Apperception desaufser uns Gegebenen, zuvor die Existenz und Thätigkeit deshierbei thätigen Geistes voraussetze , mithin über die Materieund die nach Kant sie bedingenden Kräfte nicht eher etwasausgemacht werden könne , bis zuvor jene Existenz und Thä-tigkeit nach ihrem eigentlichen Wesen festgesetzt sey. Wol-len wir nun aufrichtig im Bekenntnifs unserer Schwäche seyn,die nothwendigen Grenzen unsers endlichen Verstandes nichtüberschreiten und offen gestehn, dafs 'die Seele weder sichselbst noch auch die Materie dem eigentlichen Wesen nachzu erkennen vermöge, so werden zwar, wie alles ernste Nach-denken, so auch die Bemühungen, beides so viel wie möglichzu erforschen, allezeit sowohl subjectiv als auch objectiv nütz-lich seyn; allein wir werden auch bald zu der Ueberzeugunggelangen, dafs wir dabei von dem bekannten Gegebenen zudem unbekannten Gesuchten fortschreiten, dagegen es ein fürallemal aufgeben müssen, ein höchstes, durch sich selbst fest-stehendes Princip a priori aufzufinden, aus welchem sich alleErkenntnifs ableiten läfst, was im Grunde nur heifst, den Steinder Weisen zu suchen. Platte indefs Kant 1 durch die grofse
1 Kant stellt in seinen metaphys. Anfangsgr. als ersten Satzauf: Materie ist das Bewegliche im Raume. Dieser ais das Funda-ment aller folgenden mufste doch nothwendig bewiesen werden. Da-gegen aber heifst es hlofs, dafs Beweglichkeit eines Gegenstandes imllaume a priori und ohne Belehrung durch Erfahrung nicht erkanntwerden könne. Dieser Begriff, als empirisch, kö’nne daher nur ineiner Naturwissenschaft, als angewandter Metaphysik, welche sich miteinem durch Erfahrung gegebenen Begriffe, obwohl nach Principiena priori, beschäftige, Platz finden. Wenn aber in den Naturwissen-schaften die nämlichen logischen Regeln, als in andern Wissenschaf-ten, gültig sind, die Erfahrung aber alle Materie zu erkennen unsnicht gestattet, so frage ich, wie man von der erkannten, dem par-ticulari, auf das Ganze, das universale, zu schliefsen berechtigt sey?Am auffallendsten aber ist es, wenn stets von mathematischer Be-weisart geredet wird, die gerade die strengste von allen ist. Die