Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

103

Sprache zu den Attributen des hohen Adels, mitFranzösisch-Sprechen hatte ich von Kindheit andie Idee der Vornehmheit verbunden. Und soeine Pariser Dame-de-la-halle sprach besser fran-zösich, als eine deutsche Stiftödame von vierund-sechzig Ahnen.

Wegen dieser Sprache, die ihm ein vor-nehmes Ansehen verleiht, hatte das französischeVolk in meinen Augen etwas allerliebst Fabel-haftes. Dieses entsprang aus einer anderen Re-miniscenz meiner Kindheit. Das erste Buchnämlich, worin ich französisch Lesen lernte, warendie Fabeln von Lafontaine; die naiv vernünftigenRedensarten derselben hatten sich meinem Ge-dächtnisse am unauslöschlichsten eingeprägt, undals ich nun nach Paris kau? und überall Fran-zösisch sprechen hörte, erinnerte ich mich beständigder Lafontaineschen Fabeln, ich glaubte immerdie wohlbekannten Thierstimmen zu hören: jetztsprach der Löwe, dann wieder sprach der Wolf,