XV
verboten sei, und weit sie verboten, aß sie davon,die gute Frau. Aber kaum hatte sie von demtackenden Apfel gegessen, so verlor sie ihre Un-schuld, ihre naive Unnnttelbarkcit, sie fand, daßsie viel zu nackend sei für eine Person vonihrem Stande, die Stammmuttcr so vieler künf-tigen Kaiser und Könige, und sie verlangte einKleid. Freilich nur ein Kleid von Feigenblättern,weil damals noch keine Lyoncr Scidcnfabrikanteugeboren waren, und weil es auch im Paradiesenoch keine Putzmacherinnen und Modchändlcrin-ncn gab — o Paradies! Sonderbar, so wie dasWeib zum denkenden Selbstbewußtsein kommt,ist ihr erster Gedanke ein neues Kleid! Auchdiese biblische Geschichte, zumal die Rede derSchlange, kommt mir nicht aus dem Sinn, undich möchte sie als Motto diesem Buche vorau-sctzeu, in derselben Weise, wie man oft vorfürstlichen Gärten eine Tafel ficht mit derwarnenden Aufschrift: Hier liegen Fußangelnund Selbstschüssc.